Vom 23. Juli bis zum 29. August 2026 präsentiert die Galerie „Hinter dem Rathaus“ eine Ausstellung, die zwei prägende Positionen der schwedischen Studioglasbewegung zusammenführt. Die Vernissage findet am Mittwoch, 22. Juli, um 19:30 Uhr statt. Die einführenden Worte spricht die Künstlerin Britta Matthies.
Zwei Biografien, eine gemeinsame Bildsprache
Seit den späten 1990er‑Jahren arbeiten Håkan Blomqvist und Karin Westman eng zusammen. Ihre Kooperation verbindet unterschiedliche gestalterische Hintergründe: Blomqvist kommt aus der Holzarbeit und klassischen Bildhauerei, Westman aus der Textilkunst und dem Design. Aus dieser Synthese ist eine eigenständige Bildsprache entstanden, die technisches Handwerk mit einer experimentellen, forschenden Haltung verbindet. Charakteristisch sind leuchtende Farbigkeit, organische Formen und eine intensive Auseinandersetzung mit Licht, Transparenz und Materialität.
Ofenguss in Sandformen: Ein anspruchsvolles Verfahren
Ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit ist die über Jahrzehnte verfeinerte Technik des Ofengusses in Sandformen. Dieses zeitintensive Verfahren ermöglicht skulpturale Körper von großer plastischer Tiefe und physischer Präsenz. Die Farbwirkung entsteht unmittelbar aus den Qualitäten des Glases; nachträgliche Oberflächenbehandlungen treten bewusst zurück. Das einfallende Licht wird zu einem aktiven Bestandteil der Skulpturen und prägt deren visuelle Dynamik.
Zwischen Abstraktion und Figuration
Viele Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen abstrakten und figurativen Anklängen. Die Formen evozieren Assoziationen an florale Elemente, Landschaften, fluide Zustände, menschliche Silhouetten oder organische Strukturen – ohne sich einer eindeutigen Deutung zu unterwerfen. Diese Offenheit lädt zu individuellen Wahrnehmungen ein und eröffnet einen poetischen Raum, der sich aus der Materialität des Glases heraus entfaltet.
Inspiration aus Natur, Narration und Begegnungen
Blomqvist und Westman schöpfen ihre Impulse aus Naturformen, elementaren Prozessen, Literatur, Reisen und anthropologischen Begegnungen. Ein ausgeprägter Sinn für Narration durchzieht ihr Werk: Die Skulpturen fungieren als offene Erzählungen, die sich erst im Dialog mit den Betrachterinnen und Betrachtern vollenden.
Arbeiten für den öffentlichen Raum
Neben autonomen Glasskulpturen haben beide zahlreiche großformatige Arbeiten für den öffentlichen Raum realisiert. Dort kombinieren sie Glas häufig mit kontrastierenden Materialien wie Eisen oder Stein. Die installativen Werke thematisieren das Verhältnis von Stärke und Fragilität, von Beständigkeit und Wandel – Motive, die ihr gemeinsames Schaffen durchziehen.