Die Hansestadt steht vor einer besonderen Wahl. Wenn die Bürgerinnen und Bürger am 12. April 2026 zur Bürgermeisterwahl aufgerufen sind, endet nicht nur die 16‑jährige Amtszeit von Thomas Beyer. Erstmals treten gleich acht Kandidatinnen und Kandidaten gegeneinander an – ein Rekordfeld, das die politische Landschaft der Stadt spürbar verändert.
Ein breites Bewerberfeld wie nie zuvor
Der Gemeindewahlausschuss hat sieben Männer und eine Frau zugelassen. Die Spannbreite reicht von erfahrenen Berufspolitikern über Verwaltungsfachleute bis hin zu unabhängigen Quereinsteigern.
Für die SPD geht Frank Junge ins Rennen, der als Bundestagsabgeordneter auf politische Erfahrung setzt und die lange sozialdemokratische Tradition im Rathaus fortführen möchte. Die CDU schickt ihren Stadtverbandsvorsitzenden Christoph Meister ins Feld, der mit breiter Rückendeckung seiner Partei für einen bürgerlich‑konservativen Kurswechsel wirbt.
Mit Dr. Nils Jörn tritt der Stadtarchivar für das Bündnis Sahra Wagenknecht an. Er positioniert sich als Verwaltungsexperte, der Wismar moderner, grüner und offener gestalten will – auch mit Blick auf das 800‑jährige Stadtjubiläum. Die Linke setzt erneut auf Horst Krumpen, der soziale Gerechtigkeit und Solidarität in den Mittelpunkt stellt.
Die einzige Frau im Bewerberfeld ist Manuela Medrow von der AfD. Für die Wählergemeinschaft „Bürger für Wismar“ kandidiert Toni Brüggert, der vor allem mehr Transparenz in der Stadtpolitik verspricht. Komplettiert wird das Feld durch zwei Einzelbewerber: Christian Danielczyk, der mit Management‑Erfahrung und „neuen Perspektiven“ wirbt, sowie Horst Bartels.
Die Vielfalt der Kandidaturen zeigt, wie offen das Rennen ist – und wie groß der Wunsch nach politischer Neuorientierung in Teilen der Stadtgesellschaft geworden ist.
Was die Wismarer bewegt
In Gesprächen, Bürgersprechstunden und aktuellen Debatten zeichnen sich Themen ab, die den Wahlkampf prägen. Viele Bürger wünschen sich eine modernere Verwaltung mit effizienteren Abläufen, schnelleren Entscheidungen und mehr digitalen Angeboten. Auch der Ruf nach Transparenz wird lauter: Immer wieder wird gefordert, nachvollziehbarer darzustellen, wie die Stadt arbeitet und wofür Steuergelder eingesetzt werden – darunter die rund 35 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr.
Zudem geht es um Lebensqualität und Stadtentwicklung. Grünere Quartiere, bessere Mobilität, mehr Aufenthaltsqualität und eine klare Vision für das Stadtjubiläum 2029 gehören zu den meistgenannten Anliegen. Viele Wismarer erwarten sichtbare Fortschritte und eine Stadtpolitik, die langfristig denkt.
Ein Wahljahr mit Signalwirkung
Die Bürgermeisterwahl 2026 markiert einen Wendepunkt für Wismar. Mit dem Ende der Ära Beyer und einem so breiten Bewerberfeld steht die Stadt vor einer Richtungsentscheidung. Welche Themen am Ende den Ausschlag geben, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist jedoch: Diese Wahl wird die politische Zukunft der Hansestadt prägen.