Die maritime Industrie der Hansestadt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Nachdem die Insolvenz der MV‑Werften vor wenigen Jahren die Zukunft des Standortes infrage stellte, erlebt Wismar im Spätsommer 2026 eine industrielle Neuausrichtung im Rekordtempo. Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat den Beginn der militärischen Serienfertigung auf September vorgezogen und damit ein neues Kapitel für die Werft eingeläutet.
Politische Unterstützung und kanadischer Großauftrag
Der beschleunigte Produktionsstart ist das Ergebnis intensiver politischer und wirtschaftlicher Abstimmungen. Anfang Juli besuchten Spitzenvertreter der Bundespolitik den Standort und unterstrichen dessen strategische Bedeutung. Kurz darauf verkündete Kanadas Premierminister Mark Carney, dass TKMS den Zuschlag für das milliardenschwere Beschaffungsprojekt der Royal Canadian Navy erhält. Bis zu zwölf konventionelle U‑Boote der Klasse 212CD sollen geliefert werden – der größte U‑Boot‑Auftrag in der Unternehmensgeschichte.
Produktionsstart mit zwei Linien
Im September beginnt die Fertigung zweigleisig. Herzstück ist die neue, über 100 Millionen Euro teure Druckkörpertaktstraße, eine hochautomatisierte Produktionslinie für U‑Boot‑Druckkörper. Zunächst entstehen zwei Boote des Typs 218SG für die Marine Singapurs, anschließend folgen die Aufträge für Deutschland, Norwegen und Kanada. Parallel dazu starten die Arbeiten am Forschungseisbrecher „Polarstern II“, einem zentralen Projekt der deutschen Meeresforschung.
Deutlicher Impuls für den Arbeitsmarkt
Für die Region bedeutet die Entwicklung einen erheblichen wirtschaftlichen Impuls. Aus derzeit rund 430 Beschäftigten soll in den kommenden Jahren eine Belegschaft von 1.500 bis 1.700 Mitarbeitenden entstehen. Auch Zulieferbetriebe und Dienstleister der maritimen Industrie profitieren vom vorgezogenen Produktionsstart. Die Werft könnte damit zu einem langfristigen Motor für die wirtschaftliche Stabilisierung in Nordwestmecklenburg werden.