Die St.-Marien-Kirche gilt als älteste und städtebaulich bedeutendste der drei großen Pfarrkirchen Wismars. Doch ihre Wahrnehmung ist bis heute stark geprägt von den Zerstörungen des 20. Jahrhunderts: der schweren Beschädigung im Zweiten Weltkrieg vor 81 Jahren und der Sprengung von Chor und Langhaus vor 66 Jahren.
Mit dem Verlust weiterer Nebengebäude – darunter die Banzkowsche Sühnekapelle, das Pfarrhaus, die Alte Schule und die Kapelle Maria zur Weiden – ist ein einst eindrucksvolles Ensemble nahezu vollständig verschwunden.
Ausstellung ergänzt Turm und St.-Marien-Forum
Der Kirchturm mit seinem historischen Glockenbestand und das St.-Marien-Forum, das seit 2020 den Grundriss des Kirchenschiffs wieder erfahrbar macht, werden nun durch eine neue Ausstellung ergänzt. Unter dem Titel „St. Marien zu Wismar – ein großartiger Bau“ zeigt die Nordkapelle des Turms die Geschichte der Kirche bis 1945.
Historische Fotos, Pläne und schriftliche Quellen beleuchten Baugeschichte, Gestaltung, Funktion, Bedeutung, Pastoren, Gemeindebauten sowie die reiche Ausstattung der Kirche – teils erhalten, teils zerstört oder über die Welt zerstreut.
Laufzeit und Eröffnung
Die Ausstellung des Archivs der Hansestadt Wismar und des Archivvereins Wismar e.V. ist vom 29. Juli bis zum 31. Oktober 2026 in der Nordkapelle zu sehen. Die Eröffnung findet am Dienstag, dem 28. Juli, um 19.00 Uhr in der Turmkapelle statt. Der Eintritt ist frei.
Vier thematische Abschnitte
Die Präsentation gliedert sich in vier Bereiche: Architektur und städtebauliche Wirkung Funktion und Bedeutung der Marienkirche Ausstattung vom Mittelalter bis 1945 Ausblick
Forschung mit überraschenden Ergebnissen
Dr. Anja Rasche und Stadtarchivar Dr. Nils Jörn, die Initiatoren der Ausstellung, betonen die Fülle neu erschlossener Quellen. Ergänzende Texte und Grafiken stammen von Dr. Anette Löffler und Doreen Piper. Der Archivverein hofft, mit der Ausstellung die Neugier der Besucherinnen und Besucher zu wecken und die Geschichte der Kirche dem Vergessen zu entreißen. Nach einer nur einmonatigen Präsentation im Jahr 2025 wird die Ausstellung nun erstmals über drei Monate gezeigt.