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Forensischer Sachverständiger sieht keine erheblich eingeschränkte Steuerungsfähigkeit

Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian hat der psychiatrisch‑forensische Sachverständige Peter Keiper die Angeklagte als schuldfähig eingestuft. Vor dem Landgericht Rostock erklärte er, die 30‑Jährige leide zwar an einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline‑Typ sowie an einer Lernbehinderung, beide Befunde seien jedoch moderat ausgeprägt.

Nach seiner Einschätzung waren weder die Steuerungsfähigkeit noch die Einsichtsfähigkeit zum Tatzeitpunkt erheblich beeinträchtigt. Die Angeklagte sei in der Lage gewesen, das Unrecht der vorgeworfenen Tat vollständig zu erkennen.

Psychopathische Tendenzen und Verhaltensmuster

Der Gutachter verwies auf gefühlloses und manipulatives Verhalten, das er als psychopathische Tendenzen einordnete. Während der Gespräche in der JVA Bützow habe die Angeklagte kaum emotionale Reaktionen gezeigt. Sie habe die Vorwürfe bis zuletzt bestritten und angegeben, seit Jahren wegen psychischer Probleme eine Erwerbsminderungsrente zu beziehen.

Verlauf der Beweisaufnahme

Mit der Vorstellung des Gutachtens neigt sich am 32. Verhandlungstag die umfangreiche Beweisaufnahme dem Ende zu. Für den weiteren Prozessverlauf sind die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung am 29.10. und 30.10. vorgesehen. Am 10.11. könnte das Urteil folgen.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, den Jungen am 10.10.2025 mit sechs Messerstichen getötet und die Leiche anschließend angezündet zu haben. Als mögliches Motiv wird die Beziehung zu Fabians Vater genannt. Die Angeklagte meldete am 14.10. den Fund des Leichnams und gab zunächst an, das Kind zufällig entdeckt zu haben. Später räumte sie ein, bereits am Abend des 13.10. zweimal mit Freunden am Fundort gewesen zu sein. Die Angaben zum Ablauf waren widersprüchlich.

Hypothese zum möglichen Tatmotiv

Der Gutachter stellte eine Hypothese vor, wonach die Angeklagte versucht haben könnte, durch die Tat Fabians Vater für sich zurückzugewinnen und die Rolle einer tröstenden Partnerin einzunehmen. Diese Überlegung sei eine mögliche Erklärung, betonte Keiper, jedoch keine abschließende Feststellung.

Prozess unter hoher Aufmerksamkeit

Der Prozess wird seit April von großem öffentlichen Interesse begleitet. Der Saal 2.002 war auch am Donnerstag nahezu vollständig besetzt. Wegen der strikten Sicherheitsvorkehrungen werden Besucher und Medienvertreter in einer Schleuse kontrolliert. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Zeugen sowie technische und forensische Sachverständige gehört, darunter auch Fabians Mutter. Die Beweisaufnahme umfasste das Abspielen umfangreicher Audiodateien und abgehörter Telefongespräche.

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