Nach dem verheerenden Großbrand am Sonntagnachmittag steht die Hansestadt Wismar vor einer großen logistischen Aufgabe. Die rund 130 Jahre alte, denkmalgeschützte Malzfabrik Wismaria am Platten Kamp ist akut einsturzgefährdet und muss schnellstmöglich abgerissen werden.
Die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Frank Junge koordiniert die Maßnahmen und sucht derzeit ein Abbruchunternehmen, das kurzfristig Kapazitäten für einen kontrollierten Rückbau bereitstellen kann. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Sicherung der Einsatzstelle bereits mit einem Einsatzstellen‑Sicherungssystem, das kleinste Bewegungen der maroden Fassade überwacht.
Feuer zerstört Dach und Zwischendecken
Das Feuer war am Sonntag gegen 16.00 Uhr im obersten Stockwerk des leerstehenden Backsteingebäudes ausgebrochen. Eine weithin sichtbare Rauchsäule stand über der Stadt. Rund 150 Feuerwehrleute aus neun Freiwilligen Wehren der Region bekämpften die Flammen bis in die späten Abendstunden. Während der Löscharbeiten stürzten Teile des Inneren ein, Dach und hölzerne Zwischendecken wurden vollständig zerstört. Verletzte gab es nach aktuellem Stand nicht.
Einsturzgefahr macht Abriss unumgänglich
Die Ruine ist nicht mehr standsicher. Nach einer ersten Lageeinschätzung warnte Bürgermeister Junge vor völlig unberechenbaren Wandbewegungen. Da die tonnenschweren Klinkerfassaden unmittelbar an sensibler Infrastruktur liegen, besteht akute Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Der Denkmalschutz des historischen Gebäudes tritt daher hinter die Gefahrenabwehr zurück.
Massive Verkehrsbehinderungen
Der bevorstehende Abriss hat weitreichende Folgen für den Verkehr in Wismar und das Umland. Die Bahnstrecke nach Bad Kleinen verläuft direkt hinter dem Fabrikgelände und ist vollständig (bis 18.00 Uhr) gesperrt. Züge der Linie RE8 enden und beginnen vorzeitig in Dorf Mecklenburg, ein Bus‑Pendelverkehr wurde eingerichtet. Auch der Hafen ist schienenseitig derzeit nicht erreichbar. Zudem bleibt die Straße Platter Kamp ab der Hochbrücke für alle Verkehrsteilnehmer gesperrt. Am Dienstag fließt der Verkehr wieder wie gewohnt, heißt es aus der Stadtverwaltung.
Polizei ermittelt wegen Brandstiftung
Da das Gebäude seit Jahrzehnten leer steht und keinen Stromanschluss besitzt, vermutet die Polizei Brandstiftung. Die Ermittlungen zur genauen Ursache laufen. Der Rückbau soll noch in dieser Woche beginnen, um die Verkehrswege der Hansestadt so schnell wie möglich wieder freigeben zu können.