Wismar diskutiert seit Jahren über Themen, die die Stadt prägen: Wohnraum, Verkehr, Hafenentwicklung, Bürgerbeteiligung. Und immer wieder steht Bürgermeister Thomas Beyer im Zentrum dieser Debatten. Nicht, weil er laut wäre – sondern weil er es oft nicht ist.
Beyer hat Wismar über lange Zeit ruhig und sachlich verwaltet. Das ist eine Stärke, die man nicht gering schätzen sollte. Doch Verwaltung allein reicht nicht mehr. Die Stadt wächst, sie verändert sich, sie steht unter Druck. Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine Führung, die Konflikte nicht nur moderiert, sondern gestaltet.
Die Versäumnisse der vergangenen Jahre liegen weniger in falschen Entscheidungen als in verpassten Chancen: zu wenig Transparenz bei großen Projekten, zu wenig Tempo bei Infrastruktur und Wohnraum, zu wenig Dialog bei Themen, die die Menschen unmittelbar betreffen. Wismar ist eine Stadt, die Orientierung sucht – klare Worte, nachvollziehbare Prioritäten, eine Politik, die erklärt, warum Dinge dauern, warum manche Projekte scheitern und andere gelingen.
Ein Bürgermeister muss nicht polarisieren. Aber er muss führen. Und Führung bedeutet, sichtbar zu sein – gerade dann, wenn Entscheidungen unbequem sind.
Was der nächste Bürgermeister mitbringen muss
In 89 Tagen wählt Wismar ein neues Stadtoberhaupt. Die Frage, die sich stellt, ist nicht nur, wer dieses Amt übernimmt – sondern wie er es ausfüllt. Was braucht ein Bürgermeister, das sein Amtsvorgänger nicht in ausreichendem Maß gezeigt hat?
Vor allem drei Dinge:
Mut zur Kommunikation. Wismar braucht jemanden, der erklärt, statt zu verwalten. Der Debatten nicht scheut, sondern eröffnet. Der Konflikte nicht als Störung begreift, sondern als Chance, die Stadt voranzubringen.
Mut zur Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger wollen nicht nur informiert, sondern einbezogen werden. Wer Wismar führen will, muss zuhören – und sichtbar machen, dass dieses Zuhören Konsequenzen hat.
Mut zur klaren Linie. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein. Prioritäten müssen benannt werden. Und wenn etwas nicht funktioniert, muss es offen gesagt werden. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem wird.
Wismar steht an einem Punkt, an dem Mut wichtiger ist als reines Verwaltungshandwerk. Die Stadt hat das Potenzial, weiterzuwachsen und moderner zu werden. Doch dafür braucht es eine politische Kultur, die Konflikte nicht scheut, sondern nutzt. Der Ball liegt im Rathaus. Und die Bürger warten längst.