Kanada hat sich für den deutschen Marineschiffbauer Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) als bevorzugten Anbieter für das milliardenschwere „Canadian Patrol Submarine Project“ entschieden. Premierminister Mark Carney verkündete die Entscheidung am späten Montagabend und sprach von der „größten Beschaffung der kanadischen Geschichte“. Nun sollen exklusive Verhandlungen über die Lieferung von bis zu zwölf U‑Booten der Klasse 212CD beginnen.
Carney lobt Fähigkeiten der 212CD‑Boote
Carney hob die technologischen Fähigkeiten der deutsch‑norwegischen U‑Boote hervor. Das Brennstoffzellen‑Antriebssystem ermögliche mehr als 40 Tage nahezu geräuschloses Tauchen, ohne an die Oberfläche zu müssen. Ergänzend sorgen Lithium‑Ionen‑Batterien für höhere Geschwindigkeit und schnelleres Wiederaufladen. Die Boote seien vollständig NATO‑kompatibel und speziell für Einsätze in der Arktis ausgelegt.
TKMS habe angeboten, Boote aus deutschen und norwegischen Bestellungen „umzupriorisieren“. Dadurch könnten die ersten vier U‑Boote bereits bis 2034 an Kanada ausgeliefert werden. Die Finanzierung des Projekts ist nach Angaben der kanadischen Regierung bereits im Haushalt eingeplant.
Sollten die Verhandlungen wider Erwarten scheitern, behält sich Kanada vor, den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean als bevorzugten Anbieter zu benennen.
Merz: „Starkes Zeichen der Zusammenarbeit“
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Entscheidung unmittelbar vor Beginn des NATO‑Gipfels in Ankara. Kanada setze damit „ein starkes Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie“. Das Vorhaben sei ein „strategisches Projekt, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet“.
Merz betonte zudem die wirtschaftliche Bedeutung: Durch die langfristige Kooperation könnten auch neue Arbeitsplätze an den TKMS‑Standorten in Kiel und Wismar entstehen.
Bedeutung für NATO‑Sicherheit und Industrie
Mit der Auswahl von TKMS rückt Kanada in ein sicherheitspolitisch zentrales Zukunftsprojekt vor. Die geplante Flotte soll die Präsenz der NATO im Nordatlantik, in der Arktis und im Hohen Norden stärken. Die 212CD‑Boote gelten als derzeit modernste konventionelle U‑Boote weltweit.
Für TKMS wäre der Auftrag der größte Einzelvertrag der Unternehmensgeschichte und ein industriepolitischer Meilenstein für die deutsche und europäische Rüstungswirtschaft.