Die Lage rund um das Karstadt‑Stammhaus in Wismar spitzt sich zu. Zwei Entwicklungen, die bereits für sich genommen herausfordernd wären, treffen nun gleichzeitig aufeinander und verschärfen die Unsicherheit über die Zukunft des traditionsreichen Hauses am Karstadtplatz.
Wegfall der Bäderregelung schwächt das Sonntagsgeschäft
Künftig fällt das Warenhaus nicht mehr unter die Bäderregelung. Damit entfällt die Sonntagsöffnung, die für ein Kaufhaus in einer touristisch geprägten Stadt wie Wismar ein wichtiger Umsatzfaktor war. Das Sonntagsgeschäft galt als entscheidender Baustein, um sich im Wettbewerb mit dem Online‑Handel zu behaupten. Beschäftigte und Gewerkschaften warnen, dass der Standort ohne diese zusätzlichen Öffnungszeiten an wirtschaftlicher Stabilität verlieren könnte, was langfristig auch Arbeitsplätze gefährden würde.
Galeria‑Krise sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Parallel dazu bleibt die Lage des gesamten Galeria‑Konzerns angespannt. Nach mehreren Insolvenzverfahren ist die Zukunft vieler Filialen nur kurzfristig gesichert, und der Konzern ist weiterhin auf stabile Investoren angewiesen. Jede neue Restrukturierungsrunde könnte erneut Filialschließungen nach sich ziehen. Für Wismar ist die Situation besonders sensibel: Das Haus gilt als Stammhaus des Unternehmens, denn hier eröffnete Rudolph Karstadt 1881 sein erstes Geschäft. Ein Leerstand an dieser Stelle hätte weitreichende Folgen.
Mögliche Folgen für die Innenstadt
Stadtentwickler und Handelsverbände warnen vor einem Domino‑Effekt, sollte das Stammhaus schließen. Karstadt fungiert als Ankermieter und zieht Besucherströme in die gesamte Fußgängerzone. Ein Leerstand würde die Frequenz in der Innenstadt deutlich reduzieren und könnte kleinere Händler, Cafés und Dienstleister wirtschaftlich ins Straucheln bringen. Für das UNESCO‑Welterbe‑Ensemble wäre ein ungenutztes Stammhaus zudem ein städtebauliches Problem, das das Erscheinungsbild der Altstadt nachhaltig beeinträchtigen würde.
Ein Standort mit Symbolkraft
Für Wismar geht es nicht nur um ein Kaufhaus, sondern um ein Stück Stadtgeschichte. Das Stammhaus ist touristischer Anziehungspunkt, emotionaler Identifikationsort und wirtschaftlicher Motor. Die Kombination aus Wegfall der Sonntagsöffnung und der anhaltenden Galeria‑Krise bringt den Standort nun in eine kritische Lage – und verstärkt die Sorge, dass ein zentraler Baustein der Innenstadt ins Wanken geraten könnte.