Die Hansestadt Wismar steht vor einer grundlegenden Reform ihrer Wirtschaftspolitik. Nach über drei Jahrzehnten soll die eigenständige Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wismar mbH (WiFöG) aufgelöst und vollständig in die Stadtverwaltung integriert werden. Darüber soll nun die Bürgerschaft in ihrer nächsten Sitzung am 29. Januar entscheiden, nachdem es bereits im Dezember 2025 gescheitert war.
Ziel ist es, Strukturen zu verschlanken, Kosten zu reduzieren und wirtschaftliche Themen enger mit der Stadtentwicklung zu verzahnen. Hintergrund sind veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Mecklenburg‑Vorpommern, auf die die Stadt mit einer strategischen Neuausrichtung reagieren will. Vorgesehen ist eine vollständige Übertragung des Vermögens der WiFöG auf die Hansestadt – ein Schritt, der einer Verschmelzung gleichkommt. Als mögliche Termine werden der 31. Dezember 2025 oder der 30. Juni 2026 genannt.
Von der Gemeinschaftslösung zur städtischen Alleinverantwortung
Die WiFöG wurde 1991 als gemeinsames Projekt der Städte Wismar und Schwerin sowie mehrerer Landkreise und Sparkassen gegründet. Im Laufe der Jahre zogen sich die Partner zurück und gründeten eigene Gesellschaften. Seit 2013 ist Wismar alleinige Gesellschafterin. Mit dem bevorstehenden Ruhestand des Geschäftsführers sieht die Stadt nun den geeigneten Zeitpunkt, die Organisationsform grundsätzlich zu überdenken.
Aufgaben wandern in die Kernverwaltung
Künftig sollen die bisherigen Tätigkeitsfelder der WiFöG – von der Industrieansiedlung über das Standortmarketing bis zur Altlastensanierung – direkt im Rathaus angesiedelt werden. Das Citymanagement soll in das Haupt‑ und Personalamt wechseln, während Liegenschaftsfragen im Amt für Gebäudemanagement gebündelt werden. Die Stadt plant, die verbleibende Mitarbeiterin der WiFöG zu übernehmen, um die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Tourismus zu stärken. Zudem wird geprüft, ob die Vermarktung von Gewerbeflächen künftig enger mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordwestmecklenburg abgestimmt werden kann.
Finanzielle Ausgangslage und erwartete Einsparungen
Durch die Auflösung der GmbH-Struktur erwartet die Stadt deutliche Einsparungen. Kosten für Geschäftsführung, Jahresabschlüsse sowie externe Rechts‑ und Steuerberatung würden entfallen. Die Verwaltung verspricht sich davon straffere Abläufe und schnellere Entscheidungen.
Wie es weitergeht
Die Bürgerschaft muss nun über den Vorschlag entscheiden. Bei Zustimmung beginnt die detaillierte Abwicklung der Gesellschaft. Die Stadt betont, dass Bürger und Unternehmen künftig von einer direkteren Anbindung wirtschaftlicher Themen an die Verwaltung profitieren sollen.