Acht Messfahrten, ein rund 40 Tonnen schwerer Lastzug und eine Brücke, die seit Jahren unter besonderer Beobachtung steht: In der Nacht zum Mittwoch ist die Wismarer Hochbrücke erneut einem Belastungstest unterzogen worden. Die Messungen sollen zeigen, wie sich das fast 60 Jahre alte Bauwerk unter genau definierten Lasten verhält.
Das Straßenbauamt Schwerin hatte die Untersuchungen am Dienstagabend gegen 21.30 Uhr begonnen. Bis etwa 01.00 Uhr waren insgesamt acht Überfahrten vorgesehen. Während der einzelnen Messfahrten wurde der Verkehr jeweils kurz angehalten, damit der Lastzug die Brücke allein befahren konnte. Die Polizei sicherte die Maßnahme ab. Eine dauerhafte Vollsperrung war nicht notwendig.
Bei den Fahrten ging es nicht darum, die maximale Belastungsgrenze der Brücke auszutesten. Vielmehr dienten die Überfahrten der Kalibrierung der vorhandenen Messtechnik. Sensoren erfassen an der Hochbrücke unter anderem Verformungen, die Entwicklung von Rissen und Temperaturen. Durch die genau bekannte Belastung des Messfahrzeugs können Ingenieure die registrierten Veränderungen konkreten Fahrzeuglasten zuordnen.
Die Hochbrücke wird bereits seit März 2023 messtechnisch überwacht. Hintergrund sind bekannte Schäden am Spannstahl des 1970 errichteten Bauwerks. Vergleichbare Belastungsfahrten hatte es bereits im Februar 2023 gegeben.
Seit Jahren nur noch eingeschränkt befahrbar
Der Zustand der Hochbrücke beschäftigt Wismar seit langer Zeit. Das knapp 400 Meter lange Bauwerk gehört zu den wichtigen Verkehrsverbindungen der Stadt. Wegen statischer Probleme gelten allerdings erhebliche Einschränkungen.
Bereits seit 2011 dürfen Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als zwölf Tonnen die Brücke im regulären Verkehr nicht mehr benutzen. Statt der ursprünglich vier Fahrspuren stehen nur noch zwei zur Verfügung.
Dass bei der aktuellen Untersuchung dennoch ein etwa 40 Tonnen schwerer Lastzug eingesetzt wurde, geschah unter kontrollierten Bedingungen. Während der jeweiligen Messfahrt befand sich das Fahrzeug allein auf der Brücke. Genau diese definierte Belastung ermöglicht es den Fachleuten, die Reaktion des Bauwerks präzise zu messen.
Bis der geplante Ersatzneubau zur Verfügung steht, soll die bestehende Hochbrücke kontinuierlich überwacht werden.
Jetzt rückt der Neubau näher
Parallel zur Überwachung des alten Bauwerks laufen die Vorbereitungen für die neue Hochbrücke. Schon am Donnerstag, 24. September 2026, beginnt ein wichtiger Abschnitt des Planfeststellungsverfahrens.
Die Planunterlagen werden bis einschließlich 23. Oktober im Bauamt der Hansestadt Wismar in der Kopenhagener Straße 1 öffentlich ausgelegt. Sie können außerdem online eingesehen werden.
Bürger erhalten damit die Möglichkeit, sich detailliert über das Vorhaben zu informieren. Einwendungen gegen die Planung können im Rahmen des Verfahrens vorgebracht werden.
Der Ersatzneubau soll wenige Meter südlich der heutigen Hochbrücke entstehen. Nach den bislang vorliegenden Planungen werden für das Projekt Gesamtkosten von rund 23 Millionen Euro angesetzt.
Wann tatsächlich die ersten Baufahrzeuge für den Neubau anrollen, steht allerdings noch nicht fest. Auch ein verbindlicher Fertigstellungstermin ist in den veröffentlichten Unterlagen bislang nicht genannt.
Alte Hochbrücke soll Stück für Stück verschwinden
Fest steht dagegen bereits, was nach der Inbetriebnahme der neuen Verbindung mit der alten Hochbrücke passieren soll.
Eine Sprengung ist nicht vorgesehen. Dafür befindet sich das Bauwerk zu dicht an der umliegenden Wohnbebauung. Auch ein großflächiger Rückbau mit Kränen wäre problematisch, weil die neue Hochbrücke dann unmittelbar neben dem alten Bauwerk stehen wird.
Deshalb soll die alte Brücke kontrolliert und abschnittsweise zurückgebaut werden. Für diese Arbeiten ist nach den Planunterlagen ein Zeitraum von rund zwölf Monaten vorgesehen.
Bis dahin bleibt das alte Bauwerk ein Dauerpatient unter Beobachtung. Die nächtlichen Fahrten mit dem 40-Tonnen-Lastzug liefern dafür weitere Messwerte – während wenige Meter daneben bereits die Zukunft einer der wichtigsten Wismarer Verkehrsverbindungen geplant wird.