Das Gelände der früheren MV-Werften-Fertigmodule in Wismar-Dammhusen hat einen neuen Besitzer. Nachdem sich der Medizintechnik-Konzern Eppendorf aufgrund veränderter Marktbedingungen aus Wismar zurückgezogen hat, markiert der Weiterverkauf des rund 20.000 Quadratmeter großen Areals einen strategischen Wendepunkt für den Industriestandort.
Ende eines Strukturwandel-Kapitels
Die Ansiedlung von Eppendorf galt lange als Musterbeispiel für den wirtschaftlichen Umbau der Region – weg vom klassischen Schiffbau, hin zu High-Tech-Industrien. Doch der weltweite Einbruch der Nachfrage nach Labor-Verbrauchsmaterialien nach der Pandemie zwang das Hamburger Unternehmen zu einer deutlichen Kurskorrektur. Mit dem 11. Januar 2026 endet damit endgültig die kurze Ära der Pipettenproduktion in Wismar.
Rückkehr zur maritimen Stärke?
Der Verkauf erfolgt in einer Phase, in der die maritime Wirtschaft in Wismar wieder deutlich an Dynamik gewinnt. Während Eppendorf seine Aktivitäten am Standort beendet, baut Thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) seine Präsenz im Hauptwerft-Bereich weiter aus.
Branchenkenner werten den schnellen Weiterverkauf der Fertigmodul-Hallen als positives Signal für den Wirtschaftsraum Nordwestmecklenburg. In Fachkreisen wird darüber spekuliert, dass der neue Eigentümer mögliche Synergien mit dem großangelegten U-Boot-Bauprogramm der Bundesmarine nutzen könnte. Erst kürzlich hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages milliardenschwere Investitionen für das Marinebauprogramm bestätigt.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Für die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) steht nun vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich der Eigentümerwechsel auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die Hoffnung: Die durch den Rückzug von Eppendorf freigewordenen Fachkräfte sollen möglichst schnell in neue Produktionsprozesse eingebunden werden.
„Stabile Beschäftigungsperspektiven sind für uns das zentrale Anliegen“, heißt es aus dem Rathaus. Die Verwaltung setzt darauf, dass der neue Investor die vorhandenen Kompetenzen am Standort nutzt und weiterentwickelt.
Blick nach vorn
In den kommenden Wochen wird erwartet, dass der neue Eigentümer seine konkreten Pläne für die Nutzung der Hallen in Dammhusen vorstellt. Ob dort künftig wieder Kabinen für Kreuzfahrtschiffe, Sektionen für die Marine oder völlig neue Industriekomponenten gefertigt werden, bleibt offen.
Fest steht: Der Eigentümerwechsel eröffnet dem Standort Wismar eine neue Chance – und könnte ein weiteres Kapitel im fortlaufenden Wandel der regionalen Industrie einleiten.