Der Tarifstreit beim Holzverarbeiter Mayr‑Melnhof in Wismar hat sich weiter zugespitzt. Heute morgen wurde hier wieder gestreikt. Nachdem die Arbeitgeberseite für 2026 zunächst eine Nullrunde vorgeschlagen hatte, reagierte die IG Metall mit bundesweiten Warnstreiks, die auch den Standort Wismar deutlich trafen. Die Beschäftigten fordern nicht nur spürbare Gehaltserhöhungen, sondern vor allem einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Mitarbeitenden des Konzerns, um die teils erheblichen Lohnunterschiede zu beseitigen.
Kritik an Standortbewertung und Ost‑West‑Gefälle
Ein wesentlicher Vorwurf der Gewerkschaft richtet sich gegen die wirtschaftliche Bewertung des Werks. Medienberichten zufolge soll das Management den Standort Wismar innerhalb des österreichischen Konzerns bewusst schlechter darstellen, um Lohnforderungen abzuwehren. Besonders brisant ist die Forderung nach einer Ost‑West‑Angleichung: So etwa liegen die Gehälter in Wismar in der Vergangenheit mehr als 20 Prozent unter denen westdeutscher Standorte.
Vorläufiger Abschluss – aber keine Entspannung in Sicht
Am 20. Januar 2026 wurde ein vorläufiges Branchenergebnis erzielt. Es sieht eine Einmalzahlung von 300 Euro im April sowie eine Entgelterhöhung um zwei Prozent ab Juni vor. Doch die spezifischen Forderungen der Belegschaft in Wismar bleiben damit ungelöst. Ob dieser Abschluss ausreicht, um die Stimmung am Standort zu beruhigen, hängt nun entscheidend davon ab, wie die Konzernleitung auf die Forderung nach einem einheitlichen Haustarifvertrag reagiert.
Wie es weitergeht
Für die Beschäftigten bleibt die zentrale Frage offen, ob der Konzern bereit ist, die strukturellen Unterschiede innerhalb des Unternehmens anzugehen. Der Konflikt dürfte damit auch nach dem Branchenergebnis weiter Druck auf die Tarifparteien ausüben – und Wismar bleibt ein Brennpunkt der Auseinandersetzung.