Die wirtschaftliche Stimmung in Mecklenburg‑Vorpommern hat sich deutlich eingetrübt. Hohe Energiepreise, ein Reformstau auf Bundesebene und neue EU‑Richtlinien belasten die Betriebe spürbar. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der drei Industrie‑ und Handelskammern im Land bewerten inzwischen drei Viertel der Unternehmen ihre Geschäftslage als befriedigend oder schlecht – fünf Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn.
Der Anteil der Firmen, die ihre Lage als gut einschätzen, sank parallel um vier Punkte auf 27 Prozent. Für die Frühjahrsumfrage wurden 7.000 Unternehmen kontaktiert, 700 antworteten. Die Kammern sprechen dennoch von einer repräsentativen Datengrundlage.
Geschäftserwartungen brechen weiter ein
Noch pessimistischer fällt der Blick in die Zukunft aus. Nur neun Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer Lage, nach zwölf Prozent zu Jahresbeginn. Dagegen rechnen 41 Prozent mit einer Verschlechterung – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 31 Prozent aus der vorherigen Befragung. Das Vertrauen in einen baldigen Aufwärtstrend sinke kontinuierlich, erklärten die Kammern bei der Vorstellung der Zahlen in Schwerin.
Energiepreise größtes Problem – Iran‑Konflikt als Treiber
Der Iran‑Krieg und die Blockade der Straße von Hormuz haben die Energiepreise erneut stark steigen lassen. In der Rangliste der größten Belastungen verdrängen Energie‑ und Rohstoffpreise inzwischen die hohen Arbeitskosten vom Spitzenplatz. Als drittgrößtes Problem nennen die Unternehmen die aus ihrer Sicht unattraktiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Kritik an fünf Jahren rot‑roter Wirtschaftspolitik
Die Spitzen der drei Industrie‑ und Handelskammern äußerten sich deutlich unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der rot‑roten Landesregierung. Matthias Belke, Präsident der IHK zu Schwerin, verwies darauf, dass zwischen 2020 und 2025 rund 7,5 Prozent der Industriearbeitsplätze in Mecklenburg‑Vorpommern verloren gegangen seien. Er bemängelte ein fehlendes, abgestimmtes wirtschaftspolitisches Gesamtkonzept der Landesregierung.
„Es braucht Strategien für Energie, Wasserstoff, Rechenzentren und vieles mehr“, sagte Belke. Nur dann könne ein Wirtschaftsminister wirksam agieren. Die Erwartungen an Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos), früher Präsident der IHK Neubrandenburg, seien groß gewesen.
Forderungen der Kammern
Als zentrale Maßnahmen nennen die Kammern unter anderem den Ausbau des Rostocker Hafens, die zügige Umsetzung des Sondervermögens sowie die Einrichtung einer Landesinnovationsagentur.
„Unterschiedliche Wahrnehmung der Lage“
Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, sprach von einer deutlichen Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Wirtschaft und Teilen der Landespolitik. Im Wirtschaftsausschuss des Landtags habe man die Umfrageergebnisse angedeutet, berichtete Strupp. Wenn dann ein SPD‑Mitglied auf positive Beispiele aus seinem Wahlkreis verweise, stelle sich die Frage, welchen Wert solche Erhebungen für die Politik überhaupt hätten.