Die historische Wandmalerei „Wurzel Jesse“ in der Wismarer St.-Nikolai-Kirche wird für rund 350.000 Euro umfassend restauriert. Das Schweriner Bauministerium hat bestätigt, dass der Zerstörungsgrad des Kunstwerks aus dem 14. Jahrhundert inzwischen deutlich sichtbar ist und dringender Handlungsbedarf besteht.
Farbschichten lösen sich, Putzbereiche sind instabil, und die Feuchtigkeitsbelastung der Turmwand hat den Verfall in den vergangenen Jahren beschleunigt. Die Konservierungsarbeiten sollen zeitnah beginnen und voraussichtlich bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Monumentaler Stammbaum Christi
Das großflächige Fresko erstreckt sich über mehrere Quadratmeter an der südlichen Turmwand sowie im westlichen Joch des Südseitenschiffs. Die Darstellung zeigt die „Wurzel Jesse“, ein im Mittelalter weit verbreitetes Motiv der christlichen Kunst.
Ausgehend von Jesse, dem Vater des Königs David, entfaltet sich ein weit verzweigter Stammbaum, der die königlichen Vorfahren Jesu Christi abbildet. Die Malerei gehört zu den bedeutendsten Beispielen mittelalterlicher Wandkunst in der Backsteingotik Mecklenburgs.
Konservierung der historischen Substanz
Nach der Erstellung eines restauratorischen Fachkonzepts beginnen nun die praktischen Arbeiten am Mauerwerk. Ziel ist eine reine Konservierung des vorhandenen Bestands. Die Restauratoren werden die gefährdeten Putz- und Malschichten festigen, reinigen und stabilisieren, um weitere Abplatzungen zu verhindern.
Eine Übermalung oder Rekonstruktion ist nicht vorgesehen. Die Maßnahme soll den historischen Ist‑Zustand bewahren und das Kunstwerk langfristig sichern.
Finanzierung durch Städtebauförderung
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 350.000 Euro. Da die Kirchgemeinde diese Summe nicht allein tragen kann, wird das Projekt maßgeblich durch Städtebaufördermittel unterstützt. Etwa 288.000 Euro stammen von Bund, Land Mecklenburg‑Vorpommern und der Hansestadt Wismar.
Die Restaurierung reiht sich ein in die kontinuierliche Instandhaltung der monumentalen Backsteinkirche, die seit 1991 schrittweise saniert wird. Parallel laufen derzeit weitere Arbeiten, darunter die Sanierung der Nordquerhausfassade.