Für den Werftstandort Wismar beginnt im September ein neues Kapitel. Wie Thyssenkrupp Marine Systems bestätigt, startet die Produktion von Unterseebooten früher als geplant. Damit vollzieht der Standort nach dem tiefgreifenden Wandel der ehemaligen MV‑Werften den Einstieg in den militärischen Überwasserschiff‑ und U‑Boot‑Bau. Der September wird zum industriepolitischen Wendepunkt für die Region.
Millioneninvestitionen in neue Fertigungslinien
Um die hochkomplexe Produktion zu ermöglichen, hat TKMS massiv in die Infrastruktur investiert. Herzstück ist die neu errichtete Druckkörpertaktstraße, die als automatisierte Fertigungslinie für U‑Boot‑Rümpfe dient. Rund 100 Millionen Euro flossen allein in diese Anlage, insgesamt über 200 Millionen Euro in den Ausbau der gesamten Werft. Die Taktstraße wurde in den vergangenen Monaten intensiv getestet, um den Serienstart im Herbst sicherzustellen.
Erste Boote für Singapur
Der Produktionsauftakt steht im Zeichen internationaler Kooperationen. In Wismar entstehen zunächst zwei diesel‑elektrische U‑Boote der Klasse 218SG für Singapur. Die Boote verfügen über eine luftunabhängige Antriebstechnik, die extrem lange Unterwassereinsätze ermöglicht. Bislang wurden diese Einheiten ausschließlich am TKMS‑Stammsitz in Kiel gefertigt. Mit der neuen Taktstraße soll Wismar künftig einen wesentlichen Teil der Auslastung übernehmen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns stärken.
Region profitiert von Stellenzuwachs
Für Westmecklenburg bringt der vorgezogene Produktionsstart spürbare Impulse. Neben den Booten für Singapur stehen weitere Großprojekte an – darunter Teile der deutsch‑norwegischen Klasse 212CD und der Bau des neuen Forschungseisbrechers „Polarstern“. Die Belegschaft soll von derzeit rund 400 Beschäftigten auf bis zu 1.700 anwachsen. Mit dem Start im September wird Wismar zu einem der zentralen maritimen Rüstungsstandorte innerhalb der NATO.