Während bundesweit über die Verkehrswende diskutiert wird, herrscht im Landkreis Nordwestmecklenburg Ernüchterung. Neue Zahlen zeigen: Nur 3,6 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge fahren rein elektrisch. Selbst staatliche Kaufanreize greifen kaum – lokale Händler sprechen offen von einem Stimmungsdämpfer.
Große Erwartungen, ernüchternde Realität
Die Hoffnungen der Branche waren hoch, doch auf den Straßen zwischen Wismar, Gadebusch und Grevesmühlen zeigt sich ein anderes Bild. Zum Stichtag 20. Januar 2026 liegt Nordwestmecklenburg im landesweiten Vergleich von Mecklenburg‑Vorpommern auf dem letzten Platz. Ein langjähriger Autohändler aus der Region bringt die Lage auf den Punkt: „Die aktuellen Kaufprämien zeigen bei uns so gut wie keine Wirkung.“ Trotz finanzieller Anreize greifen die meisten Kundinnen und Kunden weiterhin zu Verbrennern. Reichweitenangst, Unsicherheit über Wiederverkaufswerte und die Größe des Landkreises seien die häufigsten Gründe.
Die 3,6‑Prozent‑Hürde
Mit einer Quote von lediglich 3,6 Prozent Elektrofahrzeugen am Gesamtbestand bleibt die Region weit hinter den Ausbauzielen zurück. In Ballungsräumen und anderen Teilen des Landes liegen die Werte teils deutlich höher. Fachleute sehen die Ursachen vor allem in der Infrastruktur. Während die Hansestadt Wismar punktuell investiert, bleibt das Netz an Schnellladestationen in den ländlichen Gebieten lückenhaft. Für viele potenzielle Käufer ist das ein entscheidender Hemmschuh.
Infrastruktur, Alltagssorgen und ein langer Winter
Neben der Ladeinfrastruktur spielt auch die wirtschaftliche Struktur des Landkreises eine Rolle. Viele Pendler legen täglich weite Strecken zurück und scheuen das Risiko, im Winter bei Minusgraden auf eine reduzierte Batterieleistung angewiesen zu sein. Die aktuellen Temperaturen verstärken diese Skepsis zusätzlich.
Eine Herkulesaufgabe für die Kreispolitik
Für die Politik im Landkreis bleibt die E‑Mobilität damit eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Ohne einen massiven Ausbau der öffentlichen Ladepunkte und ohne neues Vertrauen in die Technik dürfte die Antriebswende in Nordwestmecklenburg weiter ins Stocken geraten. Der Motor der Verkehrswende läuft – aber hier im Nordwesten eben noch nicht rund.