Die FDP zeigt sich im Endspurt des Landtagswahlkampfs in Mecklenburg‑Vorpommern kämpferisch. Auf dem Rostocker Universitätsplatz sprach FDP‑Chef Wolfgang Kubicki vor rund 90 Zuhörern, während graue Regenwolken über dem Platz hingen. Die Szenerie passt zur Lage der Liberalen: In den jüngsten Infratest‑dimap‑Umfragen die Partei klar unter der Fünf‑Prozent‑Hürde und wird nur noch unter den „Sonstigen“ geführt.
Kampfansage in der Schlussphase
Kubicki, 74, zog Parallelen zum Fußball und betonte, dass ein Spiel auch in der Nachspielzeit noch gedreht werden könne. Hoffnung schöpft er aus der jüngsten Aufholbewegung der SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die laut Umfragen mit 32 Prozent bis auf drei Punkte an die AfD herangerückt ist. Wenn die SPD binnen weniger Wochen zulegen könne, sei dies auch für die FDP möglich, so Kubicki. Inhaltlich setzt die Partei in Rostock auf klassische liberale Themen: Steuerentlastungen und ein deutlicher Bürokratieabbau sollen der schwächelnden Wirtschaft neue Impulse geben.
Kurswechsel: Abkehr von der Brandmauer
Für Aufmerksamkeit sorgt der strategische Kurs der neuen Parteiführung. Kubicki, der seit knapp 100 Tagen an der Spitze der Bundespartei steht, distanzierte sich von der sogenannten Brandmauer zur AfD. Auch FDP‑Spitzenkandidat Jakob Schirmer, 44, zeigte sich offen für eine pragmatische Linie im Landtag: Man solle Anträgen zustimmen, wenn sie den eigenen Überzeugungen entsprechen – eine Ablehnung allein wegen des Absenders sei ideologisch. Gleichzeitig betonte Schirmer, dass inhaltlich weiterhin große Unterschiede zwischen FDP und AfD bestünden.
Zustimmung im Publikum – und Blick nach Sachsen‑Anhalt
Unter den verbliebenen Zuhörern stieß der pragmatische Ansatz auf Zustimmung. Nach seiner Rede nahm sich Kubicki Zeit für Autogramme auf Bierdeckeln und Selfies mit lokalen Parteivertretern. Ein weiterer Stimmungstest für die Liberalen steht bereits am kommenden Sonntag bevor, wenn in Sachsen‑Anhalt ein neuer Landtag gewählt wird.