Wie lebten die Menschen im 15. Jahrhundert ihren Glauben? Welche Bedeutung hatte die Verehrung der Jungfrau Maria im Alltag der Hansestädte? Diesen Fragen widmet sich ein Vortrag am 13. November 2026, im Stadtgeschichtlichen Museum SCHABBELL in Wismar. Beginn ist um 19.00 Uhr.
Unter dem Titel „Marienfrömmigkeit am Vorabend der Reformation“ spricht Professor Dr. Marc von der Höh von der Universität Rostock über religiöse Vorstellungen und Praktiken im südlichen Ostseeraum.
Marienverehrung prägte das Leben in den Hansestädten
Im ausgehenden Mittelalter spielte die Verehrung Marias eine bedeutende Rolle im religiösen und gesellschaftlichen Leben. Besonders in den Hansestädten des südlichen Ostseeraums erlebte sie kurz vor der Reformation eine letzte Blütezeit.
Bruderschaften, eigens gestiftete Marienaltäre und gemeinsame Rosenkranzandachten gehörten ebenso dazu wie Stiftungen zum Gedenken an Verstorbene. Diese Formen der Frömmigkeit waren nicht nur Ausdruck persönlicher Glaubensüberzeugungen, sondern auch Teil des städtischen Zusammenlebens.
Der Mittelalterhistoriker Marc von der Höh wird erläutern, wie die Menschen ihren Glauben sichtbar machten und welche gesellschaftliche Bedeutung diese religiösen Praktiken hatten.
Neue Perspektive auf die Zeit vor der Reformation
Die regionale Kirchengeschichtsschreibung wurde über lange Zeit stark durch die Reformation geprägt. Religiöse Praktiken des späten Mittelalters wurden deshalb häufig als Aberglaube eingeordnet.
Der Vortrag im SCHABBELL setzt einen anderen Schwerpunkt. Statt die damaligen Glaubensformen aus heutiger Sicht zu bewerten, untersucht der Historiker ihre Funktion innerhalb der mittelalterlichen Stadtgesellschaft.
Dabei geht es auch um die Frage, welche Rolle religiöse Gemeinschaften und Stiftungen für das soziale Leben und das Selbstverständnis der Bürger spielten.
Zwei weitere Vorträge im November
Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „Museumswinter“, mit der das Stadtgeschichtliche Museum regelmäßig Einblicke in historische Forschungsarbeiten bietet.
Bereits am Freitag, dem 20. November, folgt um 19.00 Uhr der Vortrag „Die Ostseesturmflut 1625 in der Wismarbucht“. Eine Woche später, am 27. November, geht es ebenfalls um 19.00 Uhr unter dem Titel „Warum sammelt das Museum eigentlich noch? Von Sammlern, Schätzen und Geschichten“ um die Aufgaben und Hintergründe musealer Sammlungen.
Eintritt und Veranstaltungsort
Der Vortrag „Marienfrömmigkeit am Vorabend der Reformation“ beginnt am 13. November um 19.00 Uhr im SCHABBELL in Wismar. Der Eintritt kostet 7 Euro. Inhaber einer Jahreskarte des Museums können kostenlos teilnehmen.