Mit der feierlichen Einweihung des Instituts für Angewandte Medizintechnik (IAMT) am 3. Juni 2026 im InnovationPort Wismar hat die Hochschule Wismar ihre medizintechnische Forschung und Lehre deutlich gestärkt.
Das neue Institut ist an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften angesiedelt und bietet Forschenden, Mitarbeitenden, Promovierenden und Studierenden eine moderne Infrastruktur für Projekte an der Schnittstelle von Technik und Medizin. Trotz ihres Namens ist die Hochschule Wismar seit Jahren in medizinisch relevanten Themenfeldern aktiv – nun erhält dieser Bereich eine zentrale Anlaufstelle.
Breites Spektrum an Forschungsprojekten
Die Medizintechnik vereint Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin. Entsprechend vielfältig präsentierten sich die Beiträge zur Einweihung. Vorgestellt wurden unter anderem Arbeiten zur Regelung extrakorporaler Blutpumpen, ein Blutstrommodell, der Einsatz hyperspektraler Kameras sowie Promotionsthemen zu Exoskeletten, dem Digitalen PflegeLab oder der kamerabasierten Vitaldatenerfassung. Die Kooperationen reichen von regionalen Kliniken und Arztpraxen bis zu Unternehmen und Vereinen.
KI‑gestützte Diagnostik und berührungslose Überwachung
Am IAMT laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, die moderne Technologien für Diagnostik und Patientenüberwachung nutzbar machen. Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Olaf Simanski wird Karieserkennung mittels KI‑gestützter Auswertung von Röntgenbildern erforscht. Weitere Projekte befassen sich mit Lungen‑ und Kreislaufsimulationen sowie Stressmonitoring auf Intensivstationen.
Prof. Dr.-Ing. Jens Kraitl und sein Team arbeiten im Kameralabor an Systemen zur berührungslosen Erfassung von Vitalparametern. Ziel ist es, Sensorik so weiterzuentwickeln, dass beispielsweise ein Roboterhund Atem‑ und Herzfrequenz von Pflegebedürftigen kontinuierlich und ohne körperliche Nähe erfassen kann. Die Verbindung zur Fakultät für Wirtschaftswissenschaften entsteht über das Pflegelabor, in dem unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Grienitz das digitale Verbundpflegeheim „LIVECare“ entsteht.
Kooperationen mit der Universitätsmedizin Rostock
In einem Teilprojekt des DFG‑geförderten Verbundvorhabens „Elaine – Elektrisch aktive Implantate“ entwickelt eine Forschungsgruppe unter Prof. Dr.-Ing. Frank Krüger eine professionelle Infrastruktur zur Verwaltung von Forschungsdaten.
Prof. Dr. rer. nat. Christoph Hornberger arbeitet im Rahmen des Projektes Target‑H an innovativen Therapien und smarter Diagnostik für Hautkrebs. Die Hochschule Wismar ist dabei für die Weiterentwicklung der hyperspektralen Bildgebung verantwortlich – angepasst an Untersuchungen kleiner Hautareale, Tiermodelle und in‑vitro‑Proben.
Auch eine neue Promotionsarbeit widmet sich der Weiterentwicklung von Exoskeletten für Pflege und Handwerk.
Studiengang Angewandte Medizintechnik
Mit dem Bachelorstudiengang Angewandte Medizintechnik reagiert die Hochschule Wismar auf den steigenden Bedarf an Fachkräften, die mechatronische Kompetenzen mit medizinischem Grundwissen verbinden. Der Studiengang vermittelt Fähigkeiten zur Entwicklung moderner Medizingeräte unter Einhaltung gesetzlicher Qualitäts‑ und Prüfkriterien. Das Interesse ist groß, wie zahlreiche Nachfragen auf Messen und Informationsveranstaltungen zeigen.