Mittwoch, 19.Juni 2024 | 22:58

Kanzler spricht, Kabine schweigt: DFB-Team pfeift (noch) auf die Flaute vor dem Tor

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Einen Stimmungsdämpfer, nicht mal einen kleinen, wollen die deutschen Fußball-Nationalspieler in dem 0:0 gegen die Ukraine im vorletzten Test vor der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land nicht erkennen. Trotz eines weitgehend dominanten Spiels und viel Offensivdrang verpasste das DFB-Team in Nürnberg den Sieg. Einigermaßen verzweifelt griff sich Bundestrainer Julian Nagelsmann immer wieder an den Kopf, fassungslos darüber, dass der Ball einfach nicht ins Tor wollte.

“Natürlich hätten wir lieber 2:0, 3:0 gewonnen. Aber wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht”, befand Nagelsmann, dem eine Sache besonders gut gefallen hatte: “Ich hatte den Eindruck, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Wir haben nach einer langen Saison alles reingeworfen. Gegen so einen tiefen, kompakten Block des Gegners musst du erst einmal 27 Abschlüsse haben.”

Einer, der diesen Willen zum Sieg mit Nachdruck untermauerte, war Debütant Maximilian Beier. Dem machte der Trainer ein Kompliment: “Maxi Beier hat ein sehr gutes Spiel gemacht.” Tatsächlich kam Deutschland zu vielen Chancen, vor allem eben Beier stach heraus: Er traf die Latte (61.) und scheiterte knapp an Torwart Anatolij Trubin (63.). Ob diese Bewerbung für einen endgültigen Platz im EM-Kader reicht, ist weiter offen.

“Es fällt keiner so richtig ab, dass man sagen könnte, der hat es verdient, nach Hause zu fahren”, sagte Julian Nagelsmann im ARD-Interview. “Man diskutiert das im Trainerteam hoch und runter.” Nagelsmann muss seinen endgültigen Kader in der Nacht auf den 8. Juni bei der UEFA melden, wenige Stunden nach dem letzten EM-Test am Freitag in Mönchengladbach gegen Griechenland. Berufen hatte der Bundestrainer 27 Profis in seinen vorläufigen Kader, bei der EM dabei sein dürfen nur 26 Spieler. Zudem sind noch die U21-Spieler Brajan Gruda und Rocco Reitz in der Trainingsgruppe der A-Auswahl. Beiden werden aber kaum EM-Chancen eingeräumt.

“Schade, dass wir keins gemacht haben”, sagte Thomas Müller, der ebenfalls eingewechselt worden war. “Ein Tor hätten wir heute verdient gehabt. Es war nicht so, dass wir leichtfertig Chancen vergeben haben, aber manchmal gibt es so Tage.” Der 34-Jährige verwies auf die “gute Atmosphäre” im Team und die gute Leistung der jüngeren Nationalspieler. Wenn sich jemand beim ersten Spiel “ins Hemd machen” würde, könne man das zwar verstehen. Aber “das können wir nicht gebrauchen”, sagte Müller lächelnd. “Wir brauchen die Frische, den Witz von den Jungs.” Es gebe “keinen Grund für irgendeinen, hier nervös zu sein.”

“Leider haben wir uns nicht belohnt für die Vielzahl an Tormöglichkeiten. Ich hoffe, dass es in der Gruppenphase dann anders aussieht”, befand Torwart und Kapitän Manuel Neuer. “Ich finde, dass wir eine gute defensive Leistung gezeigt haben. Wir standen stabil, egal, was der Trainer ausprobiert hat und ob es Wechsel gab. Wir haben Struktur und Dominanz in der Defensive behalten, das ist entscheidend.”

Joshua Kimmich war ebenfalls zufrieden mit der Leistung: “Wir haben echt ein ganz gutes Spiel gemacht. Wenn wir das 1:0, 2:0 gewinnen, kann sich kein Ukrainer beschweren. Die Tore haben gefehlt, ansonsten war viel von dem da, was wir zeigen wollen. Es ist immer schwierig, gegen einen Gegner Tore zu erzielen, der so tief steht. Trotzdem haben wir eine Vielzahl an Torchancen gehabt. Unter den Umständen hatten wir ein paar gute Dinger.” Durchaus problematisch: Bei der EM dürfte Deutschland auf mehrere ähnlich spielende Gegner treffen.

Nach dem Spiel erhielt die Mannschaft prominenten Besuch: Bundeskanzler Olaf Scholz kam in die Kabine. Nach dem Schlusspfiff machte er sich in Begleitung von DFB-Sportdirektor Rudi Völler, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig auf den Weg zur Mannschaft. “Er hat gesagt, die Daumen sind gedrückt, er wünscht uns viel Erfolg, das Land ist vereint hinter uns und hat uns ein gutes Gefühl gegeben”, sagte der DFB-Coach. “Es war auf jeden Fall sehr ruhig in der Kabine.” Neuendorf berichtete: “Er ist mit Applaus empfangen worden und hat der Mannschaft alles Gute gewünscht.”

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