Die Hansestadt Wismar hat die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Gewerbegebiets Kritzowburg neu gestellt. Die Bürgerschaft hat dem Ankauf zentraler Flächen zugestimmt, um eine strategische und förderkonforme Steuerung des Areals sicherzustellen. Hintergrund ist das Auslaufen des gemeinsamen Vermarktungsvertrages mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, nach dem die Privateigentümer mit einer eigenständigen Vermarktung begonnen hatten.
Risiken durch private Vermarktung
Die Stadtverwaltung sah darin erhebliche Gefahren für die langfristige Entwicklung des Gebiets. Rein profitorientierte Investoreninteressen hätten den städtischen Zielen widersprochen. Insbesondere der Bau reiner Lagerhallen hätte bestehende Fördermittelzusagen gefährdet. Zudem lehnten die Eigentümer Wiederkaufsverpflichtungen ab, wodurch dauerhaft ungenutzte Brachflächen hätten entstehen können.
Ein früherer Ankauf war in der Vergangenheit an fehlenden Fördermitteln und der Finanzierbarkeit gescheitert. In den aktuellen Verhandlungen gelang nun eine Einigung über differenzierte Kaufpreise.
Finanzierung überplanmäßig aus dem Kernhaushalt
Da der Kaufpreis die Wertgrenze von 250.000 Euro überschreitet, war die Zustimmung der Bürgerschaft erforderlich. Die gesetzlichen Voraussetzungen der Unvorhersehbarkeit und Unabweisbarkeit nach der Kommunalverfassung gelten als erfüllt: Die Eigendynamik der privaten Vermarktung war bei der Haushaltsplanung 2026/2027 nicht absehbar, und der Ankauf ist notwendig, um Fördermittelrückforderungen abzuwenden und die städtebauliche Steuerungsfähigkeit zu erhalten.
Die Finanzierung erfolgt überplanmäßig aus dem Kernhaushalt. Möglich wird dies durch Verzögerungen beim Sanierungs- und Erweiterungsvorhaben der Funktionsgebäude im Kurt-Bürger-Stadion. Nach dem Teil-Einsturz einer Decke im Kassenhaus mussten Umplanungen für die als Ersatz vorgesehene Containeranlage vorgenommen werden. Da der FC Anker Wismar das Hauptgebäude erst nach Aufstellung der Container räumen kann, verschiebt sich der Baubeginn – und damit der Abfluss der dafür vorgesehenen Haushaltsmittel. Diese können nun vorübergehend für den Grundstückskauf genutzt werden.
Refinanzierung durch Weiterverkauf geplant
Die Stadt plant, die erworbenen Flächen später an ansiedlungswillige Unternehmen weiterzuverkaufen. Die eingesetzten Mittel sollen dadurch langfristig vollständig refinanziert werden. Mit dem Beschluss der Bürgerschaft ist der Weg für eine geordnete, strategisch ausgerichtete Entwicklung des Gewerbegebiets Kritzowburg frei.