Am 9. Oktober hat das neue Institut für Immobilienmanagement (IFIM) erstmals zum Norddeutschen Tag des Immobilienmanagements auf den Campus der Hochschule Wismar eingeladen. Die Fachtagung, die künftig jährlich stattfinden soll, vereinte Perspektiven aus Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Praxis.
Im Mittelpunkt stand das Thema Revitalisierung – eine zentrale Frage der Bauwende. Vorträge, Publikumsdiskussionen, Master‑Thesen und praxisnahe Case Studies boten vielfältige Impulse und Raum für Austausch. Die Bündelung der Fachkompetenzen aus den Fakultäten Gestaltung, Wirtschaftswissenschaften und Ingenieurwissenschaften bildet die Grundlage für weitere zukunftsorientierte Schwerpunktthemen des IFIM.
Globale Trends im Immobilienmanagement
Prof. Dr.-Ing. Marcus Hackel ordnete die Revitalisierung in internationale Entwicklungen des Immobilienmanagements ein. Megatrends wie Digitalisierung, neue Mobilitätsformen, Gesundheit und Wohlbefinden, das Internet der Dinge, 3D‑Druck sowie demografische Veränderungen beeinflussen zunehmend Nutzungskonzepte und Standortentscheidungen.
Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die strategische Ausrichtung von Immobilienbeständen und Corporate‑Real‑Estate‑Strategien – von der Portfoliooptimierung über die Unterstützung von Marketing und Vertrieb bis zur Förderung von Innovation und Produktivität. Revitalisierung gewinnt vor diesem Hintergrund als Beitrag zu Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und ESG weiter an Bedeutung.
Genossenschaftliche Revitalisierung in Hamburg
Marko Lohmann, Vorsitzender des VNW‑Landesverbands Hamburg und Vorstand der Bergedorf‑Bille eG, stellte die Revitalisierung im genossenschaftlichen Wohnungsbau der Hansestadt vor. Die Baugenossenschaft investiert kontinuierlich in Bestand und Neubau und setzt auf nachhaltige, altersgerechte und sozial ausgewogene Wohnangebote.
Ein Schwerpunkt ist die Quartiersentwicklung Bergedorf‑West, seit 2019 Fördergebiet im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung. Die Planungen reagieren auf veränderte Bedürfnisse mit mehr Barrierearmut, generationenübergreifenden Wohnformen, zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum und einer Neuordnung von Verkehr und Freiräumen. Serielles und modulares Bauen soll den Baufortschritt beschleunigen und Kosten stabil halten.
Revitalisierung in Wismar‑Wendorf
Katharina Franzke präsentierte die Modernisierung dreigeschossiger Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren in Wismar‑Wendorf. Barrierefreiheit, Inklusion und zeitgemäße Wohnstandards standen im Mittelpunkt. Ursprünglich diskutierte Abriss‑ und Neubaupläne wurden zugunsten der Erhaltung der Bausubstanz angepasst, um die darin gebundene graue Energie zu bewahren.
Franzke erläuterte neue Wohnmodelle, die Nutzung von Leerständen als Zwischenlösung für umziehende Mieter sowie Gespräche mit sozialen Trägern. Die Modernisierung statt Abriss sei ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit.
IFIM als interdisziplinäre Schnittstelle
Das Institut für Immobilienmanagement stärkt die immobilienwirtschaftliche Kompetenz an der Hochschule Wismar und arbeitet eng mit der hochschuleigenen WINGS GmbH zusammen. Ziel ist es, Forschung, Lehre und regionale Vernetzung sichtbar auszubauen und die Hochschule als starken Partner der Branche zu positionieren.
Praxisnahe Kooperationen, anwendungsorientierte Forschungs‑ und Transferprojekte sowie die enge Begleitung der Studierenden durch Mentoring und Projektunterstützung stehen im Mittelpunkt. Mit Formaten wie dem Norddeutschen Tag des Immobilienmanagements macht das IFIM aktuelles Wissen der Branche breit zugänglich.