Mittwoch, 19.Juni 2024 | 21:26

Streit um GEMA-Gebühren: Stille Nacht statt “Last Christmas” auf Weihnachtsmärkten?

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Mit dem Glühwein in der einen und dem kandierten Apfel in der anderen Hand zu “Last Christmas” fröhlich über den Weihnachtsmarkt schunkeln? Das wird es auf einigen Weihnachtsmärkten in Deutschland in diesem Jahr nicht geben. Denn Städte und Kommunen diskutieren derzeit mit der Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA übers Geld und die Höhe der Gebühren, die für das Abspielen von Musik bezahlt werden müssen.

GEMA ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Sie verwaltet in Deutschland die Nutzungsrechte von Menschen, die Musik komponiert haben – und sorgt dafür, dass Künstler Geld bekommen, wenn ihre Lieder öffentlich abgespielt oder aufgeführt werden. “GEMA-frei” sind Songs erst dann, wenn ihre Urheber seit mehr als 70 Jahren tot sind. Das bedeutet: Wenn irgendwo “Last Christmas” oder “Driving Home for Christmas” erklingt, klingelt auch bei der GEMA die Kasse.

Und dieses Jahr müssen die Weihnachtsmarkt-Veranstalter deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch die Jahre davor. So würden bei Anwendung des aktuellen Tarifs in der Landeshauptstadt Mainz etwa 60.000 Euro GEMA-Gebühr anfallen, um auch in Zukunft Musik auf dem Weihnachtsmarkt abspielen zu dürfen, sagt der Sprecher der Stadt, Ralf Peterhanwahr. In den Vorjahren beliefen sich die Rechnungen auf rund 2000 Euro, für 2022 wurden 4670 Euro berechnet.

Die GEMA-Gebühren haben sich für die Veranstalter tatsächlich gewaltig erhöht, allerdings nicht direkt. Denn an den Tarifen und Gebühren der GEMA gab es keine Veränderungen in den vergangenen Jahren: Die Verwertungsgesellschaft berücksichtigt bei ihren Berechnungen die gesamte Veranstaltungsfläche. In der Vergangenheit wurde die Musik auf Basis der von den Kundinnen und Kunden gemeldeten Nutzungsflächen lizenziert, heißt es von der GEMA. Nach der Corona-Pandemie seien jedoch bei Nachmessungen der Fläche zum Teil “deutliche Diskrepanzen” festgestellt worden. Es handele sich daher nicht um neue Tarife, sondern um eine konsequente Anwendung der bestehenden Tarife. Mancherorts bedeutet das nun eine Verzehnfachung der Kosten.

Auf ihrer Website rechnet die GEMA jedoch vor, dass das oft gar nicht so viel sei, und führt den berühmten Dresdner Striezelmarkt an. Da würden sich an 32 Tagen auf 10.000 Quadratmeter Gesamtfläche rund zwei Millionen Besucherinnen und Besucher tummeln. Fällig werden insgesamt 50.688 Euro. Umgelegt betrügen dann die Kosten “etwa 2,5 Cent pro Besuch”.

Viele Veranstalter sehen aber nicht die Centbeträge, sondern hohe Ausgaben, die sie nicht stemmen können. So will der Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus in Berlin ebenso ohne Musik auskommen wie jener auf dem Schlossplatz in Köpenick. “Es macht keinen Spaß mehr, Events zu organisieren bei den hohen Kosten”, klagt Organisator Hans-Dieter Laubinger gegenüber dem RBB. Am Schloss Charlottenburg sollen die Bläser nur alte Lieder spielen, für die keine Lizenzgebühren fällig werden.

Auch Düsseldorf will auf GEMA-pflichtige Lieder verzichten. “Für uns würden dadurch gigantische Kosten entstehen”, erklärt Kim Dorn, Organisatorin des Düsseldorfer Weihnachtsmarktes, der “Rheinischen Post”. Nicht mehr im vierstelligen Bereich, sondern bis zu 80.000 Euro. “Bei Verstößen drohen hohe Strafen”, so Dorn. Dann lieber gar keine Weihnachtshits. “Wir wollen Händlern und Besuchern nicht noch höhere Preise zumuten.”

In Halle (an der Saale) und Magdeburg hatte es zuletzt ebenfalls Berichte über steigende Lizenzgebühren für Musik auf den Weihnachtsmärkten gegeben. So berichteten die Veranstalter des Weihnachtsmarktes in Magdeburg von einer Steigerung der GEMA-Kosten von 1750 Euro vor der Corona-Pandemie auf jetzt mehr als 101.000 Euro. Auch in Halle seien die Kosten von 4800 auf 26.000 Euro gestiegen.

Deutschlandweit hat die GEMA nach eigenen Angaben rund 3350 Rechnungen für Weihnachtsmärkte versendet. Rund 135 Kunden haben aufgrund signifikanter Preissteigerungen reklamiert. In 35 Fällen habe es Steigerungen im fünfstelligen Bereich gegeben, erklärt die GEMA. Laut RBB ist die Verwertungsgesellschaft mit diesen 35 betroffenen Kommunen in Verhandlungen getreten. Somit besteht noch Hoffnung, dass den Weihnachtsmärkten nicht nur stille Nächte bevorstehen.

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