Der Kieler U‑Boot‑Bauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) sieht sich im Rennen um einen milliardenschweren Auftrag aus Kanada in aussichtsreicher Position. Das Land plant den Bau von bis zu zwölf nicht nuklear betriebenen U‑Booten. Das Auftragsvolumen dürfte nach Informationen der Deutschen Presse‑Agentur bei mehr als zehn Milliarden Euro liegen. TKMS konkurriert dabei mit dem südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean.
Entscheidung noch im ersten Halbjahr erwartet
TKMS‑Chef Oliver Burkhard zeigt sich optimistisch und spricht von einem Industriepaket, das in dieser Form neu sei. Die Werft rechnet mit einer Entscheidung Kanadas noch im ersten Halbjahr 2026. Beide Bewerber haben Kooperationen mit kanadischen Unternehmen angekündigt, um ihre Chancen zu erhöhen. Eine zweistellige Zahl an TKMS‑Mitarbeitern wirbt derzeit vor Ort für das Angebot.
Bau in Kiel und Wismar geplant
Sollte TKMS den Zuschlag erhalten, würden die neuen Boote sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar gebaut. Für den Standort Wismar wäre dies einer der größten industriellen Aufträge seit Jahren und ein bedeutender Impuls für Beschäftigung und maritime Wertschöpfung in Mecklenburg‑Vorpommern.
Die Kanadier interessieren sich für den neuen U‑Boot‑Typ 212CD, der gemeinsam mit Norwegen entwickelt wurde. Die Boote sind rund 72 Meter lang, verfügen über verbesserte Sensorik und sind für Einsätze in arktischen Gewässern ausgelegt.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Auch ohne den möglichen Kanada‑Deal sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres (Oktober 2025 bis März 2026) erreichte der Auftragsbestand 20,6 Milliarden Euro – ein neuer Höchstwert. TKMS baut derzeit unter anderem zwölf U‑Boote für Deutschland und Norwegen.
Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch auf 27 Millionen Euro, was TKMS mit hohen Investitionen in Forschung, Entwicklung und Vertrieb begründet.
Konkurrenz um Kieler Werft: TKMS gegen Rheinmetall
Parallel prüft TKMS weiterhin die Übernahme der benachbarten Werft German Naval Yards in Kiel, die zur französischen Gruppe CMN Naval gehört. Auch Rheinmetall hat ein unverbindliches Angebot abgegeben. Burkhard betonte jedoch, man werde nicht in ein wirtschaftlich unsinniges Wettbieten einsteigen. German Naval Yards baut große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten und geht historisch auf die frühere HDW‑Werft zurück.