Die Entscheidung des Kreistags, den direkten Umzug der Kreismusikschule Nordwestmecklenburg in das DRK‑Gebäude am Friedenshof abzulehnen, hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Für viele Eltern, Lehrkräfte und Musikschüler in Wismar geht es um mehr als eine Standortfrage – es geht um Erreichbarkeit, Qualität des Unterrichts und Planungssicherheit.
Gründe für die Ablehnung des DRK‑Standorts
Die Mehrheit im Kreistag begründete ihre Entscheidung vor allem mit finanziellen und organisatorischen Risiken. Ein dauerhafter Umbau des DRK‑Gebäudes sei kurzfristig nicht realisierbar und mit hohen Investitionskosten verbunden. Besonders der notwendige Schallschutz, die akustische Ausstattung und die räumliche Neuaufteilung würden erhebliche Mittel binden. Zudem wolle der Landkreis prüfen, ob langfristig kostengünstigere oder funktional besser geeignete Gebäude im eigenen Bestand zur Verfügung stehen. Erst wenn diese Optionen bewertet sind, soll über einen endgültigen Standort entschieden werden.
Übergangslösung für mehrere Jahre
Da die bisherigen Räume am Turnplatz aufgrund baulicher Mängel und Platzproblemen nicht mehr tragbar sind, setzt der Landkreis nun auf eine Übergangslösung. Die Musikschule soll in ein Ausweichquartier umziehen, das für mehrere Jahre genutzt werden kann. Diskutiert wurden zuletzt leerstehende Verwaltungsgebäude im Gewerbegebiet Wismar‑West oder freie Kapazitäten in Schulgebäuden. Die Übergangsnutzung soll so lange bestehen bleiben, bis eine Entscheidung über einen Neubau oder die Sanierung eines geeigneten Bestandsgebäudes getroffen ist.
Kritik aus Elternschaft und Fachkreisen
Die Befürworter des DRK‑Standorts reagieren mit deutlicher Kritik. Sie verweisen auf die gute Erreichbarkeit des Friedenshofs, Wismars bevölkerungsreichstem Stadtteil. Ein Standort am Stadtrand oder im Gewerbegebiet würde vor allem jüngeren Schülerinnen und Schülern den Weg erheblich erschweren. Zudem befürchten viele, dass aus der geplanten Übergangslösung eine jahrelange Dauerprovisorie werden könnte – mit negativen Folgen für Unterrichtsqualität, Ensemblearbeit und Nachwuchsförderung.
Wie es weitergeht
Die Kreisverwaltung wurde beauftragt, bis zum Herbst eine umfassende Wirtschaftlichkeitsprüfung für mehrere Standortvarianten vorzulegen. Erst danach soll der Kreistag erneut beraten. Bis dahin bleibt die Unsicherheit groß – sowohl für die Musikschule selbst als auch für die Familien, die auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.