Eine Reihe tragischer Unglücksfälle beim Eisbaden hat im Januar 2026 eine landesweite Diskussion über Risiken, Leichtsinn und die Rolle sozialer Medien entfacht. Innerhalb von nur drei Tagen kamen drei Männer an der Ostseeküste und in Wismar ums Leben – ein Muster, das Rettungskräfte als „alarmierend“ einstufen.
Drei Todesfälle in drei Tagen
Wismar, 12. Januar: Ein 40‑jähriger Nachwuchstrainer des FC Anker Wismar ertrank in einem zugefrorenen Teich. Er hatte zwei Löcher ins Eis gesägt und eine Kamera am Ufer positioniert, offenbar um seine Aktion zu filmen. Als Feuerwehr und DLRG‑Taucher den Mann gegen Mittag bargen, lief die Kamera noch.
Kellenhusen, 14. Januar: An der schleswig‑holsteinischen Ostseeküste wurde ein Mann in Badehose und mit Schwimmbrille tot an der Wasserkante entdeckt.
Graal‑Müritz, 15. Januar: Ein 71‑jähriger erfahrener Winterbader wurde leblos in der Ostsee gefunden, nachdem seine Ehefrau ihn als vermisst gemeldet hatte.
Debatte über Leichtsinn und Selbstdarstellung
Die Häufung der Fälle hat eine breite Diskussion über Selbstüberschätzung und die zunehmende „Video‑Kultur“ ausgelöst. Besonders der Wismarer Unfall, der sich vor laufender Kamera ereignete, sorgt für Kritik an riskanten Mutproben für Social‑Media‑Inhalte oder persönliche Rekorde. Rettungskräfte warnen, dass solche Aktionen lebensgefährliche Fehleinschätzungen begünstigen.
DLRG warnt eindringlich vor Alleingängen
Die Deutsche Lebens‑Rettungs‑Gesellschaft mahnt, niemals allein ins kalte Wasser zu gehen. Bei Kälteschock oder Kreislaufversagen könne niemand helfen – und beides trete häufig „innerhalb von Sekunden“ ein. Selbst geübte Schwimmer seien nicht vor plötzlichen körperlichen Reaktionen geschützt.
Experten: Kälte wird massiv unterschätzt
Fachleute betonen, dass bereits Wassertemperaturen unter 15 Grad zu unkontrolliertem Keuchen und starker Herzbelastung führen können. In Eiswasser drohen zusätzlich periphere Lähmungen, die es nahezu unmöglich machen, ein Eisloch wiederzufinden oder sich selbst zu retten. Viele unterschätzten, wie schnell der Körper in derartigen Situationen versagt.
Behörden appellieren an die Bevölkerung
Angesichts der aktuellen Wetterlage mit Eisbildung und dem Tief „Gunda“ warnen Polizei und Rettungsdienste eindringlich davor, Eisflächen zu betreten oder riskante Badeaktionen zu unternehmen. Die Kombination aus Kälte, Strömung und instabilen Eisdecken mache die Situation „extrem gefährlich“.