Die Stadt Kühlungsborn will nach jahrelangem Tauziehen die Villa Baltic in Eigenregie sanieren und dazu die Immobilie von einem privaten Eigentümer erwerben. Die Stadtvertretung beauftragte Bürgermeisterin Olivia Arndt (Kühlungsborner Liste) mit 17 zu 1 Stimmen, unverzüglich Kaufverhandlungen aufzunehmen.
„Das ist das erhoffte klare Votum der Politik, mit einer „Kühlungsborner Lösung“ zur Rettung der Villa Baltic nach langem Stillstand endlich ins Machen zu kommen“, kommentierte Arndt die am Dienstagabend getroffene Entscheidung. Sie habe den Eigentümer bereits zu einem sondierenden Gespräch eingeladen.
Besitzer wollen sich nächste Woche äußern
Eigentümer sind die Oldenburger Projektentwickler und Brüder Jan und Berend Aschenbeck, die die Villa im Frühsommer 2019 kauften und insgesamt zwei Millionen Euro zahlten. Sie wollten die Sanierung des seit über 30 Jahren leer stehenden denkmalgeschützten Gebäudes durch den Betrieb eines Hotels finanzieren, das auf einem Nachbargrundstück entstehen sollte.
Die Planung war fortgeschritten, das Konzept scheiterte aber letztlich nach Jahren an gegensätzlichen Auffassungen. Am Dienstagabend hob die Stadtvertretung den Beschluss aus 2021 auf, das städtisches Grundstück westlich der Villa für den Hotelneubau zu veräußern. „Zum anderen wurde konsequenterweise entschieden, die ins Stocken geratenen Vertragsverhandlungen mit dem Investor zu beenden. Beide Beschlüsse fasste das Gremium mit deutlicher Zweidrittel-Mehrheit“, teilte die Stadt mit.
Die Eigentümer äußerten sich bislang nicht zu dem Kühlungsborner Kurswechsel, wollen das aber in der nächsten Woche tun. Die Verhandlungen über den Kaufpreis dürften spannend werden.
Quartier samt neuem Rathaus geplant
Nach den Plänen der Stadt soll es statt des Hotelprojektes eine bürgernahe „Kühlungsborner Lösung“ mit Quartiervariante geben. In Nachbarschaft zur Villa soll ein Kurhaus mit Veranstaltungshalle, Bühne und rund 300 Plätzen, ein neues Rathaus zur Bündelung aller Bereiche der Stadtverwaltung und ein Parkdeck mit Flächen für Arztpraxen und Einzelhandel entstehen.
Die Gesamtkosten gibt die Verwaltung mit gut 32 Millionen Euro an. Davon könnte die Stadt nach eigenen Angaben zwei Drittel über Förderprogramme des Bundes und des Landes abdecken.