Die Lage um den verirrten Buckelwal „Timmy“ in der Wismarer Bucht hat sich am frühen Nachmittag weiter zugespitzt. Auf der Pressekonferenz um 13 Uhr bestätigten Fachleute, dass das Tier kaum noch Vitalität zeigt. Die Atemfrequenz ist stark reduziert, Flossenbewegungen sind selten geworden, Laute gibt der Wal seit gestern nicht mehr von sich. „Man erkennt, dass ihn die Kräfte verlassen“, sagte Greenpeace‑Expertin Franziska Saalmann.
Auch Umweltminister Till Backhaus sprach von einem „sehr schlechten“ Gesundheitszustand. Timmy atme nur noch alle vier bis fünf Minuten einmal. Reste eines Fischereinetzes hängen weiterhin im Maul, ohne dass man den Bereich gefahrlos untersuchen könnte.
Steigender Wasserstand als letzte Chance
Zwischen 14.00 und 18.00 Uhr wird der Wasserstand in der Bucht erneut steigen. Dieses Zeitfenster könnte entscheidend werden. Prof. Burkard Baschek erklärte, dass man am Nachmittag versuchen wolle, den Wal vorsichtig zu animieren, die Sandbank zu verlassen. „Wir hoffen, dass er bis dahin genug Kraft gesammelt hat. Wenn das nicht der Fall sein sollte, müssen wir die Lage neu bewerten.“
Baschek betonte, dass der Wal sich am Vortag durchaus hätte bewegen können, dies aber nicht getan habe. Deshalb habe man ihn bewusst in Ruhe gelassen, um Energie zu sparen. Heute jedoch müsse man die Chance nutzen: „Ich möchte nicht von einem letzten Versuch reden, aber es wird ein entscheidender Tag.“
Diskussion über Sterbehilfe erstmals offen
Erstmals wurde auf der Pressekonferenz auch die schwerste aller Optionen angesprochen. Sollte der Wal sich nicht befreien können und weiter abbauen, müsse am Abend darüber gesprochen werden, „wie man ihm beim Sterben helfen kann“.
Gleichzeitig machten die Verantwortlichen deutlich, dass es keine verlässliche Methode gebe, einen so großen Meeressäuger schnell und schmerzlos zu erlösen. Backhaus schloss ein aktives Töten weiterhin aus, betonte aber, dass man alle Szenarien prüfen müsse.
Behörden verteidigen Vorgehen
Backhaus reagierte zudem auf Kritik in sozialen Netzwerken. Man arbeite „sach- und fachgerecht“ und nutze nationale wie internationale Expertise. Die Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte machten ihn „traurig“. Auch zum Streit mit Meeresbiologe Robert Marc Lehmann äußerte er sich: Man habe kurz vor der Pressekonferenz miteinander gesprochen und hoffe auf einen konstruktiven Austausch.
Rund‑um‑die‑Uhr‑Überwachung
Der Wal wird ab sofort permanent überwacht. Ein Sperrbezirk bleibt eingerichtet, über die Osterfeiertage sollen Ranger Besucherinnen und Besucher an der Seebrücke informieren. Die Bevölkerung wird eindringlich gebeten, Abstand zu halten und dem Tier Ruhe zu lassen.
Wie es weitergeht, entscheidet sich am Nachmittag – und hängt vor allem vom Wasserstand und den letzten Kraftreserven des Tieres ab.