Am Wochenende wurde der Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals auf den Strand der dänischen Insel Anholt gezogen. Ein Schleppfahrzeug hatte das Tier mit einem Seil aus dem flachen Wasser an Land gebracht und dabei eine tiefe Furche im Sand hinterlassen. „Alles ist nach Plan verlaufen“, sagte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung der Deutschen Presse-Agentur.
Obduktion startet am Donnerstag
Für Donnerstag ist eine umfassende Untersuchung des Tieres geplant. „Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern“, so Abildstrøm. Tierärzte und Experten wollen den Kadaver direkt am Strand untersuchen. Wegen der langen Liegezeit in der Sonne sei mit starkem Verwesungsgeruch zu rechnen, erklärte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der seit 25 Jahren Obduktionen begleitet.
Warnung an Bevölkerung: Abstand halten
Die dänische Umweltbehörde rief Einheimische und Urlauber dazu auf, sich dem Wal nicht zu nähern. Es bestehe Ansteckungsgefahr durch gefährliche Keime. Der Bereich wurde mit Flatterband weiträumig abgesperrt. Bilder eines Livestream-Anbieters zeigten den Kadaver am Sonntag erneut von zahlreichen Möwen umgeben.
Fokus auf mögliche Fischernetz-Beteiligung
Bei der Untersuchung wollen die Fachleute vor allem klären, woran der Buckelwal starb. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Fischernetze oder Plastik eine Rolle gespielt haben. „Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt“, sagte Madsen. Auch bei den übrigen Fällen sei dies zumindest möglich.
Kritik am deutschen Rettungsversuch
Madsen äußerte deutliche Kritik am Umgang mit dem Tier in Deutschland. Der Rettungsversuch sei „reine Tierquälerei“ gewesen. Der Wal sei krank und entkräftet gewesen und hätte in Ruhe gelassen werden müssen. Stattdessen sei er tagelang in einer Metallkiste über das Meer transportiert und anschließend wieder ins Wasser gekippt worden – eine extreme Belastung für ein wildes Tier.
Entscheidung gegen Empfehlungen deutscher Fachleute
Der Buckelwal hatte an der deutschen Ostseeküste mehrfach Flachwasser aufgesucht und war schließlich vor der Insel Poel gestrandet. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute duldete das Landesumweltministerium, dass eine private Initiative das Tier abtransportierte und in der Nordsee freisetzte. Kurz darauf wurde der Wal tot vor Anholt entdeckt.
Reaktionen auf der Insel: Ärger statt Faszination
Auf der kleinen Urlaubsinsel Anholt mit rund 130 Bewohnern sorgt der tote Wal vor allem für Ärger. Viele wundern sich über das große mediale Interesse aus Deutschland. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen“, sagte die Dänin Susanna der dpa.
Für die Einheimischen ist der Kadaver vor allem ein Problem: Er liegt am beliebtesten Strand der Insel, stinkt zunehmend und könnte den Sommerbetrieb beeinträchtigen. „Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt“, sagte Hanne Skov, die seit über 30 Jahren ihren Sommer auf dem Campingplatz der Insel verbringt.