Wer Michael Jürgensen in den vergangenen dreizehn Jahren im Sana HANSE‑Klinikum Wismar erlebte, traf auf einen Manager der leisen, aber bestimmten Töne. Einen, der das Handwerk des deutschen Gesundheitswesens von der Pike auf gelernt hat und dessen Entscheidungen stets von Erfahrung, Pragmatismus und einem tiefen Verständnis für die Strukturen des Systems geprägt waren.
Nun, im Sommer 2026, steht ein Epochenwechsel an: Der langjährige Klinikgeschäftsführer gibt die operative Leitung des 500‑Betten‑Hauses ab. Nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze großer Kliniken markiert dieser Schritt einen bewusst eingeleiteten Generationenwechsel im Management der Region Nordost.
Vom Kassensystem ins Klinikmanagement
Jürgensens beruflicher Weg liest sich wie die klassische Karriere eines Praktikers, der die administrativen Tiefen des Gesundheitssektors kennt wie kaum ein Zweiter. Seine Laufbahn begann in Kiel mit einer Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten bei der Landwirtschaftlichen Krankenkasse.
Es folgten prägende Jahre auf Kassenseite: Als Referent und Abteilungsleiter beim Landesverband Nord der Innungskrankenkassen sowie bei der AOK Schleswig‑Holstein schärfte er seinen Blick für ökonomische Realitäten und die Mechanik des deutschen Gesundheitswesens.
Verantwortung für zwei Kliniken und eine ganze Region
Der Seitenwechsel ins aktive Klinikmanagement erfolgte 2007. Hier steuerte Jürgensen die Asklepios Schwedt als Geschäftsführer durch bewegte Zeiten der Privatisierung, bevor ihn die Sana Kliniken AG im Juli 2013 nach Wismar holte. Zunächst in einer Doppelspitze gestartet, übernahm er rasch die alleinige Verantwortung für das traditionsreiche Hanse‑Klinikum.
Er etablierte das Haus als medizinischen Schwerpunktversorger und akademisches Lehrkrankenhaus und baute seine Verantwortung im Konzern kontinuierlich aus. Ab 2019 führte er zusätzlich das Sana‑Krankenhaus Bad Doberan und fungierte fortan als strategischer Clustergeschäftsführer für die gesamte Region Nordost.
Geordnete Stabübergabe an Christian Fastlabend
Der jetzige Rückzug aus der operativen Leitung kommt nicht überraschend, sondern folgt einem langfristig vorbereiteten Plan. Seit Dezember 2024 stand ihm Christian Fastlabend als zweiter Geschäftsführer zur Seite. Diese Doppelspitze bildete das Fundament für eine geordnete Stabübergabe: Fastlabend übernimmt nun die alleinige operative Führung des Wismarer Klinikums und der angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentren.
Jürgensen verlässt die Brücke in einer Phase, in der die deutsche Krankenhauslandschaft vor tiefgreifenden Reformen und erheblichem Kostendruck steht. Er hinterlässt ein stabiles Haus – und bleibt dem Konzern weiterhin in beratender und strategischer Funktion verbunden. Und für ein Gespräch mit uns - als langjähriger Medienpartner - hat er sich dann auch noch die Zeit genommen...