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Landgericht Rostock: Emotionaler Verhandlungstag im Mordprozess um Fabian (8)

Am 18. Verhandlungstag im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat der Vorsitzende Richter Holger Schütt deutliche Kritik an privaten Ermittlungen geäußert. „Ich bin da fast sprachlos zu“, sagte er mit Blick auf Vorgänge aus der Anfangsphase des Vermisstenfalls. Eine Polizistin hatte zuvor geschildert, wie sich ein aus dem Fernsehen bekannter Privatermittler einschaltete und der Mutter des Jungen Hilfe anbot.

Zugriff auf Fabians Online‑Konten

Nach Angaben der Beamtin hatte sich ein Unbekannter an den Privatermittler gewandt und angeboten, Chatnachrichten des Jungen auszuwerten – wofür er jedoch Passwörter benötige. Mit Einverständnis der Mutter erhielt der Mann Zugriff auf Fabians Google‑Konto. Spätere Auswertungen der Polizei ergaben einen Zugriff nach Fabians Verschwinden von einem anderen Gerät aus; zudem wurde das Passwort geändert. Auch Zugänge zu Online‑Spielekonten sollen betroffen gewesen sein.

Richter Schütt zeigte sich irritiert: In einer solchen Situation sei es denkbar, dass ein möglicher Täter Spuren vernichte. Die Polizistin habe den Privatermittler aufgefordert, alle Schritte abzusprechen und die Identität des Unbekannten zu klären. Bis heute sei ihr dessen Name nicht bekannt.

Polizistin bricht Aussage ab

Besonders emotional wurde die Verhandlung, als eine der ersten Polizistinnen am Fundort der Leiche aussagte. Beim Schildern des Fundes am 14. Oktober kamen ihr die Tränen; sie musste ihre Aussage unterbrechen. Der Fund des Jungen mit schwersten Verletzungen sei „sehr belastend“ gewesen. „Er wurde entsorgt wie Müll“, sagte sie. Sie habe sich anschließend selbst Hilfe geholt.

Angeklagte wirkte „zurechtgelegt“ und wenig emotional

Die Angeklagte, die den Fund der Leiche gemeldet hatte, habe vor Ort nicht tief emotional erschüttert gewirkt, so die Polizistin. Sie sei kooperativ und „redselig“ gewesen und habe ohne große Nachfragen geschildert, wie sie den Jungen gefunden habe. Ihre Angaben seien „sehr klar und deutlich formuliert“ gewesen und hätten auf die Beamtin „zurechtgelegt“ gewirkt.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, ob Momente tiefer emotionaler Erschütterung erkennbar gewesen seien, antwortete die Polizistin: „Nein.“ Die Angeklagte habe von sich aus nach einem Seelsorger gefragt – was auf die Beamtin wirkte, als wolle sie fehlende Emotionalität kompensieren.

Vorwurf: Sechs Messerstiche und anschließende Brandlegung

Der inzwischen 30‑Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, Fabian am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam später in Brand gesetzt zu haben. Das mutmaßliche Motiv soll mit der zuvor beendeten Beziehung zu Fabians Vater zusammenhängen. Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen, will sich aber am 24. August äußern. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.

Emotionales Auftreten des Vaters

Eine weitere Polizistin schilderte das erste Zusammentreffen mit Fabians Vater nach Bekanntwerden des Leichenfundes. Er sei am 14. Oktober vor dem Haus der Angeklagten erschienen, sichtlich emotional und alkoholisiert, und habe gesagt, er würde ihr „alles zutrauen“. Trotz der Trennung standen beide weiterhin in engem Kontakt, wie Handyauswertungen zeigen.

Die Angeklagte informierte den Vater nicht über den Leichenfund, obwohl Fabian seit Tagen vermisst wurde. Auch dass sie nach Zeugenaussagen bereits am Vortag am Fundort gewesen sein soll, verschwieg sie. Stattdessen beschwerte sie sich über seinen Kontakt zu anderen Frauen.

Eifersucht, Abhängigkeit und ein verschwundenes Messer

In abgespielten Sprachnachrichten wurde erneut die Eifersucht der Angeklagten deutlich – ebenso wie eine finanzielle Abhängigkeit vom Vater des Jungen. Sie habe ihm geschrieben, er wisse genau, wie er sie „erpressen“ könne, da sie ohne sein Geld Rechnungen nicht zahlen könne.

Eine dritte Polizistin berichtete zudem, dass Überwachungskamerabilder zeigen, wie sich die Angeklagte frei auf dem Grundstück eines befreundeten Nachbarn bewegte, auch in Haus und Schuppen – teils mit Werkzeug. Ein Messer des Nachbarn könnte nach Einschätzung eines Ermittlers der Bauart nach die Tatwaffe sein. Es war zeitweise verschwunden, tauchte später aber wieder auf. DNA‑ oder Blutspuren wurden nicht gefunden.

Sommerpause nach nächstem Verhandlungstag

Der nächste Verhandlungstag ist für Donnerstag angesetzt. Danach soll eine Sommerpause eingelegt werden, bevor der Prozess Anfang August fortgesetzt wird.

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