Bei einem Herzstillstand, schweren Unfall oder anderen medizinischen Notfall zählt jede Minute. Im Landkreis Nordwestmecklenburg stehen bislang allerdings vergleichsweise wenige registrierte Ersthelfer zur Verfügung, die über eine Smartphone-App zusätzlich alarmiert werden können. Landrat Tino Schomann ruft deshalb dazu auf, sich beim System „ASB SCHOCKT“ anzumelden.
Aktuell sind in Nordwestmecklenburg 124 Personen als Ersthelfer in der App registriert. Im benachbarten Landkreis Ludwigslust-Parchim sind es nach Angaben des Landkreises 399 und damit mehr als dreimal so viele.Der Landkreis unterstützt deshalb einen Aufruf des Arbeiter-Samariter-Bundes Mecklenburg-Vorpommern, die Zahl der registrierten Helfer zu erhöhen.
Ersthelfer sollen Zeit bis zum Rettungsdienst überbrücken
Das Prinzip ist einfach: Ereignet sich ein medizinischer Notfall, können qualifizierte Helfer in der unmittelbaren Umgebung zusätzlich zum regulären Rettungsdienst alarmiert werden. Sie sollen den Rettungsdienst nicht ersetzen. Ihr Vorteil liegt vielmehr darin, möglicherweise schon wenige Minuten früher am Einsatzort zu sein und dort mit lebensrettenden Maßnahmen zu beginnen. Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann diese Zeit entscheidend sein.
„Leider gibt es in unserem Landkreis im Vergleich zu Ludwigslust-Parchim und Schwerin noch zu wenig registrierte Personen“, erklärt Landrat Tino Schomann. Er appelliert deshalb an qualifizierte Helfer, sich für die App „ASB SCHOCKT“ registrieren zu lassen.
Wer kann sich registrieren?
Angesprochen sind grundsätzlich Menschen, die über entsprechende Kenntnisse in Erster Hilfe verfügen. Besonders richtet sich der Aufruf an Beschäftigte aus medizinischen Einrichtungen und Arztpraxen sowie an Mitarbeiter von Kliniken und Rettungsdiensten. Auch Angehörige von Feuerwehren und Hilfsorganisationen kommen als registrierte Ersthelfer infrage.
Für eine Freischaltung ist ein Qualifikationsnachweis erforderlich. Nach Angaben des Landkreises kann dafür beispielsweise bereits ein Erste-Hilfe-Kurs ausreichen. Die Prüfung der Nachweise sowie die Verwaltung und Qualifikation der registrierten Helfer übernimmt der ASB-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern.
Alarm direkt auf das Smartphone
Die App ist mit dem System „KATRETTER“ verbunden. Bei einem entsprechenden Notfall kann die Integrierte Leitstelle Westmecklenburg registrierte Ersthelfer alarmieren, die sich gerade in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes befinden. Die Alarmierung erscheint auf dem Smartphone. Wer helfen kann, nimmt den Einsatz über die App an und wird anschließend zum Einsatzort navigiert. Der reguläre Notruf über die 112 und die Alarmierung des Rettungsdienstes laufen unabhängig davon weiter.
Deutlicher Unterschied zum Nachbarkreis
Die aktuellen Zahlen zeigen, warum der Landkreis jetzt verstärkt für das System wirbt. Während in Nordwestmecklenburg bislang 124 Ersthelfer registriert sind, verfügt Ludwigslust-Parchim mit 399 Registrierten über ein wesentlich größeres Netz. Je mehr qualifizierte Menschen teilnehmen, desto größer ist grundsätzlich die Chance, dass sich bei einem entsprechenden Notfall ein registrierter Helfer in unmittelbarer Nähe befindet. Der Landkreis hofft deshalb insbesondere auf weitere Anmeldungen von Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich bereits regelmäßig mit Erster Hilfe zu tun haben.