Die Hoffnung in der Wismarer Bucht war riesig, doch am Dienstagnachmittag folgte der Rückschlag: Der Buckelwal ist erneut gestrandet. Nachdem das Tier am Morgen noch frei zu schwimmen schien, liegt der sanfte Riese nun in der flachen Bucht vor Kirchdorf auf der Insel Poel fest. Experten und Behörden setzen nun auf die Nachtruhe.
Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle für Retter und Schaulustige. Am Vormittag meldeten Beobachter noch euphorisch, dass der Wal sich aus den Netzen befreit habe und kraftvoll durch die Bucht schwimme. Doch die Freude währte nur kurz. Umweltminister Till Backhaus musste am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Wismar einräumen, dass das Tier erneut auf Grund gelaufen ist. Gemeinsam mit Meeresbiologen von Greenpeace beobachtet die Wasserschutzpolizei den Wal nun ununterbrochen vom Boot aus.
Hoffnung auf den Selbstrettungstrieb
Trotz der erneuten Strandung schöpfen die Fachleute weiterhin Hoffnung. Thilo Maack von Greenpeace betonte vor Ort, wie erschöpft und ruhebedürftig der Buckelwal sei. Dass das Tier aktuell ruhig im flachen Wasser liege, deute darauf hin, dass er massiv Energie sammle. Auch Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, sieht das Tier eigentlich bereits im „Transitmodus“. Die Experten sind sich einig: Der Wal hat physisch weiterhin die Möglichkeit, sich bei steigendem Wasserstand aus eigener Kraft wieder freizuschwimmen.
Keine Rettungsaktion vor Mittwochmorgen
Um dem geschwächten Tier den nötigen Raum zu geben, hat das Landwirtschaftsministerium entschieden, am Dienstagabend keine weiteren aktiven Manöver mehr durchzuführen. Sprecher Claus Tantzen erklärte, dass man ihm die Nacht über Zeit lassen wolle, um sich zu erholen. Erst am Mittwochmorgen soll in einer erneuten Krisensitzung entschieden werden, ob das Tier durch eine gezielte, fachgerechte Annäherung von Booten wieder „motiviert“ werden muss, den Weg Richtung offenes Meer einzuschlagen.
Backhaus kämpft gegen Euthanasie-Gedanken
Während in den sozialen Netzwerken und unter Experten bereits über eine mögliche Euthanasie spekuliert wurde, erteilte Minister Backhaus diesen Überlegungen eine klare Absage. Zwar müsse man als verantwortlicher Politiker alle Optionen im Kopf haben, doch für ihn sterbe die Hoffnung zuletzt. Man werde bis zur letzten Sekunde für das Leben des Wals kämpfen. Timmy atme weiterhin regelmäßig und habe bereits am Vortag bewiesen, dass er einen enormen Überlebenswillen besitzt. Ganz Wismar und die Insel Poel drücken nun die Daumen, dass die Kräfte des Rückkehrers für den entscheidenden Vorstoß in den Atlantik ausreichen.