Wismar. Mit mehr als fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Architektur- und Ingenieurbüros sowie den Bauverwaltungen der Städte und Gemeinden stieß das Seminar Korrekte Bauanträge auf bemerkenswert großes Interesse.
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg mbH hatte gemeinsam mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg zu der Fachveranstaltung in das Technologie- und Gewerbezentrum Wismar eingeladen. Im Mittelpunkt standen die praktischen Auswirkungen der Baugesetzbuch-Novelle aus dem Oktober 2025, die unter dem Schlagwort Bau-Turbo bundesweit für Aufmerksamkeit sorgt.
Neue Möglichkeiten für schnelleren Wohnungsbau
Die gesetzlichen Änderungen werden für Planer, Bauherren und Genehmigungsbehörden spürbare Folgen haben. Besonders intensiv diskutiert wurden die neuen Optionen nach § 246e BauGB, die eine deutliche Beschleunigung von Wohnungsbauvorhaben ermöglichen sollen. Die Gemeinde nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, denn künftig kann unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Bebauungsplan verzichtet werden.
Dieser Schritt soll Zeit und Kosten sparen und den Wohnungsbau erleichtern. Auch im unbeplanten Innenbereich, etwa in Baulücken, eröffnen sich neue Abweichungsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigte sich ein großes Interesse an der rechtssicheren Abgrenzung zwischen Innen- und Außenbereich, die für die tägliche Genehmigungspraxis weiterhin entscheidend bleibt.
Gemeinden nutzen Bau-Turbo bislang kaum
Katrin Patynowski, Dezernentin und erste Stellvertreterin des Landrates, machte deutlich, dass die neuen gesetzlichen Instrumente in Nordwestmecklenburg bislang kaum Anwendung finden. Ziel des Workshops sei es, Bauvorlagenberechtigte und kommunale Bauämter zu schulen und zu informieren, damit sie Vorhabensträger künftig fundiert beraten können. Die Novelle biete Chancen, die jedoch nur wirksam werden, wenn die Gemeinden sie aktiv nutzen.
Praxisbeispiele und intensiver Austausch
In den Fachvorträgen erläuterten Meinhard Müller, Fachdienstleiter Bauordnung und Planung, sowie Thomas Müller, Fachgebietsleiter Bauordnung des Landkreises, die Neuerungen im Detail. Zahlreiche Praxisbeispiele verdeutlichten die Anwendung der neuen Regelungen. Die anschließenden Fragerunden wurden von den Teilnehmenden intensiv genutzt, um konkrete Fälle zu diskutieren und Erfahrungen aus der Genehmigungspraxis auszutauschen.
Wohnraumdruck als zentrale Herausforderung
Martin Kopp, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg, zog ein positives Fazit. Er betonte, dass Gewerbe- und Wohnungsbauvorhaben nur im engen Dialog zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Fachplanern realisiert werden können. Der Bedarf an Wohnraum werde in den kommenden Jahren weiter steigen.
Allein durch die geplanten Einstellungen bei TKMS würden bis 2030 rund zweitausend neue Beschäftigte in die Region kommen. Der Bau-Turbo könne helfen, diesen Bedarf zu decken, sofern die Gemeinden die neuen Möglichkeiten konsequent anwenden.
Fortsetzung des Dialogs geplant
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Landkreis kündigten an, den Austausch mit den Fachleuten aus der Region fortzusetzen. Ziel sei es, die Beschleunigung von Bauvorhaben weiter zu unterstützen und damit die wirtschaftliche Entwicklung sowie den Wohnstandort Nordwestmecklenburg nachhaltig zu stärken.