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MV-Werften: Perspektive für Beschäftigte bleibt ungewiss

An den ehemaligen MV-Werften-Standorten Wismar und Rostock deutet vieles auf eine Zukunft des Schiffbaus hin – für Stralsund hingegen sehen Gewerkschaft und Landesregierung noch wenig Sicherheiten. “Das ist eine Situation in Stralsund, die uns ganz große Sorge macht”, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Mittwoch nach einer Versammlung von Schiffbauern in Rostock. Gefragt nach konkreten Projekten und Arbeitsplätzen sagte der SPD-Politiker, man kenne kein belastbares Konzept von Fosen Yard. Das Land könne auch wegen fehlender Informationen vonseiten der Stadt nicht so helfen wie gewünscht.

Der norwegische Schiffbauer Fosen Yard hatte Teile der Stralsunder Werft gepachtet. Den Angaben der Beteiligten zufolge geht es in Stralsund um die Zukunft von ungefähr 300 ehemaligen Beschäftigten der MV-Werften.

Die Gewerkschaft hatte die Mitarbeiter am Mittwoch anlässlich der von der Landesregierung beschlossenen Verlängerung der Transfergesellschaft für 1500 ehemalige Beschäftigte der Werften-Gruppe an den Standorten zusammengerufen. Diese wäre Ende Juni ausgelaufen und soll nun mit Geld aus dem MV-Schutzfonds bis längstens 31. Oktober fortgeführt werden. Eine weitere – ältere – Transfergesellschaft mit ungefähr 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern läuft Ende Juli nach zwölf Monaten endgültig aus.

Auch Heiko Messerschmidt von der IG-Metall Küste kennt bisher noch keine nennenswerten Zahlen zu Beschäftigten, die durch Fosen übernommen werden sollen. Diese Ungewissheiten hätte der Investor bei der Mitarbeiterversammlung in Stralsund ausräumen können. Doch nach Gewerkschaftsangaben sagte das Unternehmen seine Teilnahme kurzfristig ab.

Der Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) kündigte bereits zwei weitere Pächter für das von der Stadt übernommene ehemalige Werft-Gelände an. “In Kürze werden noch zwei Maschinenbauer das Portfolio erweitern”, sagte er. Bisher gibt es der Stadt zufolge Pachtverträge mit Fosen Yard und dem Metallverarbeitungsbetrieb Ostseestaal. Genauere Angaben zu den beiden neuen Betrieben wollte die Stadt zunächst nicht machen. Es gebe zudem mehr als 40 weitere Interessenten.

Wesentlich zuversichtlicher zeigte sich die Gewerkschaft in Bezug auf die Standorte Wismar und Rostock-Warnemünde. Bereits unter Dach und Fach sind die Vereinbarungen mit dem Medizintechniker Eppendorf und dem U-Boot-Bauer ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Wismar. Die Gewerkschaft zeigte sich jedoch auch zuversichtlich, dass sich mit dem Marinearsenal der Bundeswehr in Rostock eine Lösung abzeichnet.

Das Verteidigungsministerium hatte am Montag angekündigt, ein Angebot für das Werftgelände abzugeben. Demnach sehen die noch nicht abgeschlossenen Planungen vor, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Infrastruktur der Werft übernehmen könnte. Dies könnte die Sicherung von bis zu 500 Arbeitsplätzen bedeuten. Eine Entscheidung ist laut dem Insolvenzverwalter der MV-Werften, Christoph Morgen, jedoch noch nicht gefallen. Die Angebotsfrist laufe noch bis Freitag, es gebe auch noch andere Investoren, die Interesse an dem Gelände hätten.

Messerschmidt betonte jedoch, dass die Gewerkschaft auch weiter für eine Ansiedelung von Unternehmen im Bereich Plattform-Bau für Offshore-Windkraftanlagen in Rostock starkmache. Hier sehe man Potenzial für zukünftige Beschäftigung. Laut dem Insolvenzverwalter wäre hierfür – auch neben dem Marinearsenal – noch Platz auf dem Gelände. Auch seien bereits Interessenten Teil des Verfahrens.

Auch die Hoffnung, einen Käufer für das zu 75 Prozent fertiggestellte Kreuzfahrtschiff “Global Dream” zu finden, hat Morgen noch nicht aufgeben. Aktuell gebe es jedoch keinen, der das unfertige Kreuzfahrtschiff für an die 10.000 Passagiere übernehmen will. “Ob es Chancen gibt, ist schwer zu sagen”, sagte der Verwalter, er verwies hier auf die aktuell schlechte Lage in der Kreuzfahrtbranche.

Wirtschaftsminister Meyer erinnerte daran, dass der Fertigbau des Schiffes weiter willkommen wäre, um die Beschäftigungslücke zu schließen, die in Wismar entsteht, da TKMS erst 2024 plant, mit der dortigen Produktion loszulegen. Gemeinsam mit dem Unternehmen und auch der Bundesagentur für Arbeit wolle man nun ausloten, welche Möglichkeiten es gebe, unter anderem durch Weiterbildungsprogramme, Pendeln zum TKMS-Hauptstandort Kiel oder das Vorziehen bestimmter Arbeiten in Wismar eine Lösung zu finden.

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