Wer in der Wismarer Innenstadt dringend eine öffentliche Toilette sucht, musste zuletzt einen Umweg in Kauf nehmen. Die WC-Anlage im Erdgeschoss des Stadthauses am Markt war seit Tagen geschlossen. Seit Donnerstag ist sie wieder zugänglich – allerdings mit einer grundlegenden Änderung: Der Gang auf die stille Örtlichkeit ist nicht mehr umsonst.
Bezahldrehkreuz statt Spende
Die Stadtverwaltung hat die Modernisierung der Sanitäranlage abgeschlossen. Das bisherige System, das auf Freiwilligkeit und Spenden setzte, gehört der Vergangenheit an. Statt eines offenen Zugangs müssen Besucher nun ein neu installiertes Bezahldrehkreuz passieren, bevor sie die frisch renovierten Kabinen nutzen können.
Wie hoch die Gebühr genau ausfällt, war am Freitag zunächst nicht überall ausgeschildert. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass solche Drehkreuze meist mit 50 Cent bis einem Euro pro Nutzung zu Buche schlagen. Bezahlt werden kann in der Regel mit Münzgeld oder kontaktlos per Karte. Die Stadt verspricht sich davon nicht nur saubere Kassen, sondern vor allem dauerhaft saubere Toiletten.
Gemischte Reaktionen in der Altstadt
Die Wiedereröffnung sorgt am Freitag für geteilte Meinungen. „Endlich, die Schließung war eine Katastrophe für alle Touristen und älteren Leute“, sagt eine Markthändlerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Aber dass ich jetzt auch noch zahlen soll, wenn ich schnell muss – das ist schon frech.“
Andere zeigen Verständnis: „Vorher hat man nie gewusst, ob die Toilette sauber ist oder komplett verwüstet. Wenn das Geld in regelmäßige Reinigung fließt, zahle ich gerne einen Euro“, meint ein Anwohner, der den Markt regelmäßig überquert.
Bis auf Weiteres gilt: Wer am Wismarer Marktplatz dem Drang nachgeben muss, kommt um den Griff zum Geldbeutel nicht herum. Einzige kostenlose Alternative bleibt die Toilette im nahe gelegenen Einkaufszentrum – sofern diese geöffnet hat.