Trotz zeitweiser Unwetterwarnung für Teile Mecklenburg-Vorpommerns wegen des Sturmtiefs „Elli“ ist das große Winterchaos im Nordosten bis Freitagnachmittag ausgeblieben. Betroffen war MV von der Einstellung des Fernverkehrs der Deutschen Bahn im Norden Deutschlands. Die Reederei Scandlines sagte Fahrten zwischen Rostock und dem dänischen Gedser ab.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte per Unwetterwarnung vor starker Schneeverwehung vor allem im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns gewarnt, diese Unwetterwarnung aber am Nachmittag wieder aufgehoben. Die Warnung vor Schneeverwehungen für weite Teile des Landes blieb bestehen, allerdings nicht im unwetterartigen Ausmaß.
Schneeverwehungen auf Landstraßen
Zumindest in Teilen von Mecklenburg-Vorpommerns Südwesten schneite es bis zum Nachmittag kaum. Gerade an Straßen, die von Feldern umgeben sind, kam es dennoch zu Schneeverwehungen. Außerdem sorgte der Dauerfrost für glatte Straßen. Im Westen des Landes verzeichnete das zuständige Rostocker Polizeipräsidium bis zum Nachmittag knapp 15 Unfälle wegen Straßenglätte und zu hoher Geschwindigkeit. Dabei blieb es meist bei Blechschäden.
Im Landkreis Ludwigslust-Parchim, zwischen Hohen Pritz und Mestlin kam eine 25-Jährige mit ihrem Auto von der Straße ab und stieß gegen einen Baum. Sie wurde nach Polizeiangaben eingeklemmt und schwer verletzt und mit einem Hubschrauber in die Uniklinik Rostock gebracht. In Bad Kleinen erlitt ein 50-Jähriger mehrere Rippenbrüche, als er mit seinem Postauto von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum stieß.
Aufwendige Bergung nach Lkw-Unfall auf A19
Auf der A19 verunglückte ein Sattelschlepper mit Auflieger. Ab der Anschlussstelle Linstow (Landkreis Rostock) musste die Autobahn in Richtung Berlin für die aufwendige Bergung voll gesperrt werden. Der Fahrer blieb laut Polizei unverletzt. Beim Zusammenstoß seines Wagens mit einem Räumfahrzeug ist in Greifswald nach Polizeiangaben am Freitagmorgen ein 55 Jahre alter Mann leicht verletzt worden. Demnach war das Winterdienst-Fahrzeug aus bislang ungeklärter Ursache nach links auf die Gegenfahrbahn geraten.
Da auch im weiteren Verlauf des Tages und der Nacht mit Schneefall und Straßenglätte zu rechnen ist, wies die Polizei darauf hin, insbesondere die Geschwindigkeit anzupassen.
Energieversorger treffen Vorkehrungen
In den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg blieben Schulbusse am Freitag vorsichtshalber in den Depots. Im Nordwesten konnte die Linie 16 wegen Schneeverwehungen nur eingeschränkt fahren.
Auch die regionalen Energieversorger in Mecklenburg-Vorpommern haben angesichts des Wintersturms „Elli“ Vorkehrungen getroffen. „Aufgrund der vorhergesagten Wetterlage und des erwarteten erhöhten Störungsaufkommens wurde der Bereitschaftsdienst bereits vor Eintreffen des Wintersturms verstärkt“, teilte der kommunale Versorger Wemag mit Sitz in Schwerin auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.
Insbesondere im ländlichen Raum in MV könne der Schneesturm Auswirkungen auf die Stromversorgung haben. Bislang gebe es aber keine größeren witterungsbedingten Störungen im Netzgebiet. Die Versorgung sei stabil und sicher. „Wir beobachten die Lage fortlaufend und stehen in enger Abstimmung mit unseren Einsatzteams.“ Das Netz der Wemag erstreckt sich nach deren Angaben über Mecklenburg, Nordwestbrandenburg und den Osten Niedersachsens.
Versorger Edis stellt Notstromaggregate bereit
Auch beim Netzbetreiber Edis wurden die Bereitschaftskräfte erhöht, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. „Die Experten in der Fläche sind sensibilisiert und technische Geräte wie Notstromaggregate stehen bereit“, sagte der Sprecher. Alle relevanten Stellen stünden im Austausch und könnten schnellstmöglich reagieren. Bislang seien keine Ausfälle oder Störungen aufgrund des Winterwetters bekannt. Das Edis-Netz verläuft demnach in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Bei andauerndem Schneefall und starken Windböen besteht den Versorgern zufolge die Gefahr, dass Äste oder umstürzende Bäume Freileitungen beschädigen. „Das kann vereinzelt zu Stromausfällen führen“, hieß es von der Wemag. Zudem könnten Schneeverwehungen und vereiste Wege den Zugang zu Schadstellen erschweren und Reparaturarbeiten verzögern.
Uhu und Bartkauz nehmen auf Schneemann Platz
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim wies darauf hin, dass das Wetter zu Einschränkungen der Müllabfuhr führen kann. Glatte Straßen und Schnee machten es den Mitarbeitern derzeit schwer, alle zur Entleerung bereitgestellten Abfallbehälter anzufahren und zu leeren. „Vereiste Fahrbahnen, nicht geräumte Nebenstraßen und enge Zufahrten erschweren das Rangieren der Müllfahrzeuge erheblich.“ Grundsätzlich fänden die Entsorgungstouren zwar statt. Gegebenenfalls werde aber einzeln über den Abbruch oder Ausfall von Fahrten entschieden.
Auf ganz eigene Art haben sich Tierpfleger im Vogelpark Marlow (Vorpommern-Rügen) mit dem Wetter auseinandergesetzt, der gerade Winterpause hat. Sie bauten einen Schneemann, auf dem sich dann Uhu „Symphonie“ niederließ. Auch Bartkauz „Emilia“ probierte den Schneemann aus. Beiden Vögeln schien das Wetter nichts auszumachen.
Laut DWD bleibt es frostig in MV mit Tiefstwerten zwischen minus drei und minus acht Grad in der Nacht zu Samstag. Gebietsweise gebe es weiter Schneefall und Schneeverwehungen. Ab Samstagvormittag soll es nur noch direkt an der Küste steife oder in exponierten Lagen auch stürmische Böen geben. Tagsüber gibt es demnach einzelne Schneeschauer und regional Schneeverwehungen.