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Wal weiterhin bewegungslos in der Wismar-Bucht: Experten sehen kaum noch Hoffnung

Der gestrandete Buckelwal liegt weiterhin nahezu regungslos im flachen Wasser der Kirchsee vor der Insel Poel. Hin und wieder ist eine Atemfontäne zu sehen, doch der Zustand des Tieres bleibt kritisch. Wann der Meeressäuger verenden wird, ist unklar. Fachleute betonen jedoch, dass die Überlebenschancen mit jeder Stunde weiter sinken.

Warum Strandungen so gefährlich sind

„Jede Strandung ist individuell“, sagt Tom Bär, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Die Hauptursachen für das Sterben eines Wals am Strand seien Lageschäden, Überhitzung und bereits bestehende Vorschädigungen. Häufig führten diese Faktoren gemeinsam zu einem akuten Herz-Kreislaufversagen.

Durch das hohe Körpergewicht und die fehlende Auftriebskraft des Wassers komme es zu schweren Belastungen der inneren Organe, insbesondere der Lunge. Diese könne sich nicht mehr vollständig entfalten und sich teilweise mit Flüssigkeit füllen. Die Folge sei eine sinkende Sauerstoffversorgung des Körpers, die Herzfrequenz und Kreislauf massiv beeinträchtige.

Auch die Temperaturregulation sei gestört. Normalerweise werde der Körper eines Buckelwals über Atemluft und Körperpartien wie die Fluke gekühlt. Bei geschädigter Lunge funktioniere dieser Mechanismus kaum noch.

Schmerzen und Belastung für das Tier

Buckelwale besitzen ein komplexes Nervensystem und Schmerzrezeptoren. Auch wenn sie nicht wie Menschen empfinden, können sie Schmerzen wahrnehmen. Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace erklärte bereits, dass der Wal „extrem leidet“. Forschende gehen davon aus, dass Strandungen zu den belastendsten Todesarten für Großwale gehören.

Mögliche Rolle eines Stellnetzes

Zur schlechten Verfassung könnte auch ein Stellnetz beigetragen haben, das sich um seinen Körper und in seinem Maul verfangen hatte. Ein Teil wurde entfernt, doch weitere Reste könnten sich in den Barten befinden. Maack hält es für möglich, dass Netzteile bereits länger im Körper waren, eingewachsen sind oder Infektionen ausgelöst haben. Sicher sei nur, dass das Netz den Zustand des Tieres verschlechtert habe.

Wie lange kann ein Wal ohne Nahrung überleben?

Großwale sind lange Fastenperioden gewohnt. Während der Paarungszeit in warmen Gewässern nehmen sie oft monatelang kaum Nahrung zu sich und leben von ihrer Fettschicht. Ob der Wal zusätzlich an Infektionen oder Organschäden leidet, können die Biologen derzeit nicht beurteilen. Eine Untersuchung am lebenden Tier ist nicht möglich. Klarheit wird erst eine spätere Obduktion im Meeresmuseum bringen.

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