Die Hansestadt Wismar fordert Änderungen an den Planungen für den Ersatzneubau der Hochbrücke. In der Sondersitzung am Dienstagabend beschäftigte sich die Bürgerschaft mit einer umfangreichen Stellungnahme der Stadtverwaltung. Auf mehr als 300 Seiten werden Kritikpunkte an dem geplanten Bauvorhaben aufgeführt. Die Einwendungen sollen nun an das zuständige Landesstraßenbauamt übermittelt werden.
Streit um Schutzwall und Lärmschutzwand
Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die geplanten Lärmschutzmaßnahmen. Nach den öffentlich ausgelegten Bauunterlagen ist im Umfeld der neuen Brücke ein mehrere Meter hoher Wall mit einer zusätzlichen Schallschutzwand vorgesehen. Die Stadtverwaltung lehnt diese Ausführung ab. Nach ihrer Darstellung bestand bereits seit Jahren Einigkeit mit dem Landesstraßenbauamt darüber, dass der Schutzwall in dieser Form nicht gebaut werden soll. Die Verwaltung sieht darin eine Abweichung von früheren Abstimmungen. Auch bei weiteren Bestandteilen der Planung hält die Stadt ihre Interessen bislang nicht ausreichend berücksichtigt.
Parkplatz an der Kanalstraße soll wegfallen
Ein weiterer Streitpunkt ist der geplante Wegfall eines Parkplatzes an der Kanalstraße. Die Stadt kritisiert, dass in den aktuellen Bauunterlagen kein entsprechender Ersatz vorgesehen sei. Bereits im Vorfeld hatte die Verwaltung darauf hingewiesen, dass aus ihrer Sicht auch die Gestaltung der Verkehrsknotenpunkte an beiden Enden der Hochbrücke sowie Fragen der Kostenverteilung nicht den bisherigen Absprachen entsprechen. Mit ihrer Stellungnahme will die Hansestadt erreichen, dass diese Punkte im weiteren Planungsverfahren erneut geprüft werden.
Stadt fordert erneute Prüfung möglicher Brückenstandorte
Neben einzelnen baulichen Details stellt die Stadt auch die geplante Trassenführung zur Diskussion. Das Landesstraßenbauamt soll nach Auffassung der Verwaltung noch einmal untersuchen, ob andere Varianten für den Verlauf der Ersatzbrücke infrage kommen. Der bisherige Entwurf sieht vor, die neue Hochbrücke wenige Meter südlich des bestehenden Bauwerks zu errichten. Die geplante Trasse verläuft damit in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Getränkefabrik Wismaria, die im Oktober durch Brände schwer beschädigt wurde. Ob die Einwendungen zu einer Änderung der bisherigen Planung führen, ist noch offen.
Hochbrücke aus dem Jahr 1970 seit Jahren eingeschränkt
Die bestehende Hochbrücke wurde 1970 errichtet und ist knapp 400 Meter lang. Ursprünglich war das Bauwerk für vier Fahrspuren ausgelegt. Aufgrund des baulichen Zustands und statischer Probleme musste der Verkehr in den vergangenen Jahren schrittweise eingeschränkt werden. Ein Ersatzneubau gilt deshalb als notwendig, um die Verkehrsverbindung langfristig zu sichern.
Neubau soll rund 23 Millionen Euro kosten
Die bislang veranschlagten Gesamtkosten für den Ersatzneubau liegen bei etwa 23 Millionen Euro. Mit der mehr als 300 Seiten umfassenden Stellungnahme bringt die Stadt ihre Einwände nun offiziell in das laufende Planungsverfahren ein. Das Landesstraßenbauamt muss sich im weiteren Verfahren mit den vorgebrachten Argumenten auseinandersetzen. Wann über mögliche Änderungen an der Planung entschieden wird und welche Auswirkungen die Einwendungen auf den weiteren Zeitplan haben könnten, ist derzeit nicht bekannt.