Am Donnerstag wird der fünfte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen erneut Aussagen aus seinem sozialen Umfeld. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Jugendklubs „Alte Molkerei“ schilderte, dass Fabian fast täglich dort gewesen sei. Er habe gerne gebacken, gespielt und an Ausflügen teilgenommen. Die Jugendarbeiterin beschrieb ihn als höflich, fröhlich und „netten, kleinen, moppeligen Jungen“, der die Zeit im Klub sichtbar genossen habe.
Hinweise auf familiäre Belastungen
In ihrer Aussage berichtete die Mitarbeiterin auch von einem Moment, in dem Fabian traurig gewesen sei. Der Grund: Er durfte an einem Wochenende nicht zu seinem Vater. Fabian habe erwähnt, dass sein Vater eine Freundin habe, jedoch ohne Details zu nennen. Zuletzt sei er regelmäßig mit dem Fahrrad zum Jugendklub gekommen.
Zu Beginn des Prozesstages meldete sich der Anwalt der Angeklagten Gina H., Thomas Löcker, zu Wort. Er reagierte auf eine Beweisanregung der Nebenklage, die Fabians Mutter vertritt. Diese hatte darauf hingewiesen, dass Vater Matthias R. auch nach Beginn seiner Beziehung zu Gina H. weiterhin sexuelle Chats mit einer anderen Frau geführt haben soll.
Löcker kritisierte, die Beweisanregung diene lediglich dazu, den Vater „in einem besonders verwerflichen Licht darzustellen“. Die Chats machten ihn nicht automatisch unglaubwürdig. Gleichzeitig betonte er, dass Matthias R. seine Mandantin aufrichtig liebe und trotz gesellschaftlicher Isolation zu ihr halte.
Ermittlungen gegen den Vater – Alibi im Fokus
Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch gegen Matthias R. wegen des Verdachts der Falschaussage. Am heutigen Prozesstag soll es um sein Alibi gehen. Der Vater hatte sich zuletzt demonstrativ hinter die mutmaßliche Täterin gestellt, was bundesweit für Entsetzen sorgte.