Angesichts der weiterhin grassierenden Vogelgrippe in Deutschland und Millionen getöteter Nutztiere fordert das Friedrich‑Loeffler‑Institut (FLI) eine breite Diskussion über die Impfpraxis in der Geflügelhaltung. „Bis zu welchem Punkt ist das ethisch eigentlich noch haltbar, dass wir große Zahlen an Tieren töten, die wir eventuell schützen können?“, sagte Martin Beer, Vizepräsident des FLI, der Deutschen Presse‑Agentur.
Das Institut mit Sitz auf der Insel Riems bei Greifswald ist das nationale Referenzlabor für Tierseuchen und bestätigt Verdachtsfälle wie H5N1.
Virus bleibt – Ausbrüche in Wellen erwartet
Seit dem ersten Auftreten des H5N1‑Virus vor rund 20 Jahren habe es nur wenige Jahre ohne Ausbrüche gegeben, ab 2020 dann gar keines mehr. „Das Virus wird nicht verschwinden, es wird in Wellen wiederkommen“, so Beer. Nach einer frühen ersten Welle werde es meist ruhiger, bevor eine zweite folgen könne. Entsprechend müsse auch in Deutschland mit weiteren Ausbrüchen gerechnet werden.
Flächendeckende Impfung bleibt schwierig
Zwar ist die Impfung von Nutzgeflügel in der EU grundsätzlich erlaubt, wird aber kaum flächendeckend eingesetzt. Gründe sind aufwendige Kontrollpflichten und mögliche Handelsbeschränkungen beim Export. Ein großangelegtes Impfprogramm in Frankreich habe jedoch gezeigt, dass Impfen im großen Stil funktionieren kann.
Derzeit müssen Betriebe regelmäßig nachweisen, dass geimpfte Tiere gesund sind – ein enormer Aufwand. „Wir reden ja nicht von zehn Hühnern, sondern eventuell von einem Betrieb mit zwei Millionen“, so Beer. Auf EU‑Ebene werde deshalb über vereinfachte Regularien beraten. Künftig könnten vor allem krank erscheinende oder verendete Tiere in geimpften Beständen untersucht werden, statt flächendeckend Proben zu nehmen.
Impfung ersetzt andere Maßnahmen nicht
Gezielt eingesetztes Impfen könne helfen, werde aber bestehende Maßnahmen wie Stallpflicht, Biosicherheit und im Ernstfall auch das Keulen von Beständen nicht vollständig ersetzen. Die Dichte der Geflügelhaltung spiele ebenfalls eine große Rolle. In manchen Regionen stehe „alle zwei-, dreihundert Meter ein Stall“ – ein strukturelles Risiko für die Ausbreitung des Virus.
Hinzu komme ein Zielkonflikt: Mehr Tierwohl und Freilandhaltung bedeuten zugleich ein höheres Infektionsrisiko durch Kontakt mit Wildvögeln.