Der Kreistag Nordwestmecklenburg hat entschieden: Die Kreismusikschule soll übergangsweise in das Gebäude des Kinder- und Jugendfreizeitzentrums in Wismar ziehen. Was auf dem Papier wie eine pragmatische Lösung wirkt, sorgt in der Stadt bereits für Diskussionen – und wirft Fragen nach Prioritäten, Beteiligung und Transparenz auf.
Der Hintergrund ist bekannt: Das bisherige Musikschulgebäude kann ab September 2027 nicht mehr genutzt werden. Die Stadt Wismar stellt es dem Kreis dann nicht länger entgeltfrei zur Verfügung, zudem entspricht der Brandschutz nicht mehr den Anforderungen. Ein Ersatz musste her – und zwar schnell. Doch die nun beschlossene Variante ist nicht nur die günstigste, sondern auch die umstrittenste.
Während ein Containerbau am Stadtrand mit rund 3,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen hätte und ein DRK‑Gebäude im Friedenshof ebenfalls deutlich teurer gewesen wäre, kostet der Umzug ins Kinder- und Jugendfreizeitzentrum lediglich 1,4 Millionen Euro. Ein finanziell nachvollziehbarer Schritt – aber einer, der an anderer Stelle neue Probleme schafft.
Denn das Freizeitzentrum selbst muss weichen und soll in die Räume des ehemaligen Filmbüros umziehen, rund anderthalb Kilometer entfernt. Dort steht jedoch deutlich weniger Platz zur Verfügung. Auf dem Instagram‑Kanal des KJFZ wird die Entscheidung bereits offen kritisiert. Die Verantwortlichen bemängeln nicht nur die räumliche Verschlechterung, sondern auch, dass Kinder und Jugendliche – die eigentlichen Nutzer – in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen wurden. Ein Vorwurf, der in Zeiten, in denen Beteiligung junger Menschen politisch gern betont wird, besonders schwer wiegt.
Der Landkreis verweist darauf, dass die Musikschule ab 2031 in das Gebäude der Kreisvolkshochschule umziehen soll. Doch bis dahin müssen zwei Einrichtungen mit wichtigen sozialen Aufgaben auf engem Raum improvisieren. Die Frage, ob die Musikschule damit tatsächlich die bestmögliche Übergangslösung erhält oder ob hier vor allem die günstigste Variante den Ausschlag gab, bleibt im Raum stehen.
Der Beschluss des Kreistages schafft Klarheit – aber keine Ruhe. Denn der Konflikt zwischen finanzieller Vernunft und pädagogischer Verantwortung ist mit dieser Entscheidung längst nicht gelöst.