Die Hansestadt hat gewählt – doch die Entscheidung über das neue Stadtoberhaupt ist vertagt. Nach einem spannenden Wahlabend steht fest: SPD-Kandidat Frank Junge und AfD-Bewerberin Manuela Medrow ziehen in die Stichwahl ein. Während Junge seiner Favoritenrolle gerecht wurde, sorgte das Ergebnis von Medrow für eine politische Zäsur in der Welterbestadt.
Um 19:40 Uhr herrschte im Bürgerschaftssaal des Rathauses endgültige Klarheit: Keiner der acht Kandidatinnen und Kandidaten hat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Nach Auszählung aller 32 Wahlbezirke steht fest, dass die rund 34.387 Wahlberechtigten am 26. April erneut zur Wahl aufgerufen werden.
Frank Junge führt deutlich, verfehlt aber die absolute Mehrheit
SPD-Kandidat Frank Junge ging mit 8.109 Stimmen und einem Anteil von 42,1 Prozent als klarer Erstplatzierter aus dem Wahlsonntag hervor. Junge dankte am Abend seinen Unterstützern und sprach von einem „wichtigen Zwischenschritt“, machte aber zugleich deutlich, dass der entscheidende Teil des Wahlkampfs nun beginne. Angesichts des breiten Bewerberfeldes war es von Beobachtern als unwahrscheinlich eingeschätzt worden, dass ein Kandidat die 50-Prozent-Marke im ersten Durchgang überschreiten würde.
Manuela Medrow sorgt für die Überraschung des Abends
Für das politische Ausrufezeichen sorgte Manuela Medrow (AfD). Mit 3.952 Stimmen und 20,5 Prozent erreichte sie den zweiten Platz und zieht damit in die Stichwahl ein. Sie ließ damit mehrere Mitbewerber hinter sich, darunter Christoph Meister (CDU) und Toni Brüggert, der im Vorfeld von einigen als Geheimfavorit gehandelt worden war.
Beobachter werten Medrows Abschneiden als Ausdruck einer spürbaren Unzufriedenheit in Teilen der Stadtgesellschaft, die sich in den letzten Tagen des Wahlkampfs noch einmal verstärkt hatte.
Wahlbeteiligung bei 56,2 Prozent
Die Wahlbeteiligung lag bei 56,2 Prozent und damit leicht über früheren Kommunalwahlen. Viele Wismarer nutzten die regenfreien Stunden am Nachmittag für den Gang ins Wahllokal.
Zwei Wochen bis zur Entscheidung
Für die ausgeschiedenen Kandidaten beginnt nun die Phase möglicher Wahlempfehlungen. Ihre Wählerinnen und Wähler könnten am 26. April entscheidend sein, da beide verbliebenen Bewerber auf zusätzliche Mobilisierung angewiesen sind.
Wismar steht damit vor zwei intensiven Wahlkampfwochen – mit einem Duell zwischen dem erfahrenen Bundespolitiker Junge und der Herausforderin Medrow, die im Wahlkampf auf deutliche Veränderungen gesetzt hat.