Am Sonntagmorgen soll das Spezialschiff eintreffen, das für den Transport des gestrandeten Buckelwals Timmy vorbereitet wird. In einer Werft wird die Barge zunächst technisch angepasst, bevor sie noch am selben Tag in die Bucht vor der Insel Poel verlegt werden soll. In der Nacht zu Montag ist der entscheidende Schritt geplant: Timmy soll in die abgesenkte Konstruktion gezogen und anschließend in Richtung Nordsee gebracht werden.
Während die Vorbereitungen laufen, bleibt die Lage vor Ort angespannt. Umweltminister Till Backhaus erklärte am Morgen, es gebe zwei mögliche Szenarien. Entweder befreie sich der Wal bis zum Mittag selbst, oder das neue Transportkonzept müsse vollständig umgesetzt werden. Nach Angaben des Ministers sei Timmy stabil und habe seine Position in der Bucht nicht verändert.
Am Hafen herrscht seit den frühen Morgenstunden reger Betrieb. Ein Team, das von Helfern vor Ort scherzhaft „Free-Willy‑Team“ genannt wird, ist eingetroffen. Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies zeigte am Morgen, wie sie am Vortag die Spritze für eine Blutentnahme gesetzt hatte. Die Probe enthält Hautreste und Salbe; wofür sie genutzt wird, ist noch offen. Das Geschlecht des Wals steht inzwischen fest: Timmy ist ein Männchen.
Backhaus selbst war bereits vor Sonnenaufgang unterwegs. Beim Morgenspaziergang im Hafen berichtete er, dass der Wind gedreht habe und der Wasserstand nun steige. Gegen Mittag werde der Hochstand erwartet. Entscheidend sei, wie sich Timmy in dieser Phase verhalte.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation erinnerte daran, dass jährlich rund 300.000 Wale und Delfine weltweit ähnliche Leidenswege durchlaufen, häufig verursacht durch Verstrickungen in Fischereigeräte. Auch Timmys Zustand wird weiterhin kritisch eingeschätzt.
Am Samstag hatten Helfer rund 40 mit Sand gefüllte Big Bags um den Wal herum platziert, um zu verhindern, dass er bei steigendem Wasserstand erneut in flachere Bereiche driftet. Am Sonntagmorgen sind die Säcke nicht mehr sichtbar, da der Wasserstand deutlich höher liegt. Nach Angaben der Einsatzkräfte erfüllen sie dennoch ihren Zweck: Timmy ist weiterhin an Ort und Stelle.
Wie es in den kommenden Stunden weitergeht, hängt vom Verhalten des Wals und vom Fortschritt der technischen Vorbereitungen ab. Die Rettungsmission bleibt ein Wettlauf gegen Zeit, Tide und die Kräfte der Natur.