Unter großem öffentlichen Interesse hat am Dienstag der Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow begonnen. Rund 80 Zuschauerinnen und Zuschauer sowie etwa 50 Medienvertreter verfolgten im Saal 2.002 des Landgerichts Rostock, wie die 30‑jährige Angeklagte Gina H. mit gefesselten Füßen und einem roten Aktenkarton vor dem Gesicht in den Saal geführt wurde. Fabians Mutter, die als Nebenklägerin teilnimmt, beobachtete die Szene aufmerksam und wirkte äußerlich gefasst.
Staatsanwaltschaft: Mord aus Eigennutz
Die Anklage wirft Gina H. vor, den Jungen im Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Laut Staatsanwaltschaft habe die frühere Freundin von Fabians Vater nach dem Ende der Beziehung befürchtet, ihren bisherigen Lebensstil nicht fortsetzen zu können. Der Vater habe eine Wiederaufnahme der Beziehung abgelehnt – eine Entscheidung, die er der Angeklagten einen Tag vor der Tat per Chat mitgeteilt haben soll.
Fabian, der bei seiner Mutter lebte, soll keinen Kontakt mehr zu Gina H. gewollt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte das Kind „bedenkenlos“ tötete, in der Hoffnung, die für sie „auch monetär vorteilhafte“ Beziehung zum Vater wiederherstellen zu können. Wie genau sie finanziell profitiert haben soll, blieb offen.
Tatvorwurf: Sechs Messerstiche, zwei davon ins Herz
Nach Überzeugung der Ermittler lockte Gina H. den Jungen am Vormittag des 10. Oktober aus der Wohnung seiner Mutter, fuhr mit ihm in ihrem Pick‑up in Richtung Klein Upahl und schaltete dort ihr Handy aus. Zu Fuß soll sie mit Fabian zu einem abgelegenen Tümpel gegangen sein. Dort habe sie ihm mit einem etwa zehn Zentimeter langen Messer mindestens sechs Stiche in den Oberkörper versetzt, zwei davon ins Herz.
Nach der Tat traf sie sich laut Anklage mit einem Bekannten. Am frühen Nachmittag kehrte sie zum Tatort zurück und versuchte demnach, die Leiche mit Grillanzünder zu verbrennen, um Spuren zu verwischen.
Angeklagte schweigt – Verteidigung bestreitet Motiv
Nach Verlesung der Anklage erklärte die Verteidigung, dass sich Gina H. nicht zu den Vorwürfen äußern werde. Einer ihrer Anwälte wies am Rande des Prozesses jedoch das von der Staatsanwaltschaft angenommene Motiv zurück.
Am Donnerstag soll Fabians Mutter als Zeugin aussagen.
Auffälliges Verhalten nach dem Verschwinden
Gina H. sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft. Auffällig war ihr Verhalten unmittelbar nach Fabians Verschwinden: Sie gab der Polizei den Fundort der Leiche an und behauptete, sie habe den Jungen zufällig bei einem Spaziergang mit ihren Hunden entdeckt. Die Angeklagte lebte im Dorf Reimershagen, rund 13 Kilometer vom Fundort entfernt.
Prozess mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit
Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Das Gericht hat bis Anfang Juli insgesamt 17 Verhandlungstage angesetzt. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Angeklagte als unschuldig.