Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian prüft das Landgericht Rostock, ob die angeklagte Frau einen Bekannten möglicherweise wissentlich zum Fundort der Leiche geführt hat.
Der 37‑jährige Zeuge schilderte, die Angeklagte habe am Abend des 13. Oktober 2025 unbedingt zu dem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl fahren wollen. Während sie an der Böschung stehen geblieben sei, sei er selbst hinuntergegangen. In der Dunkelheit habe sie plötzlich gesagt: Da liegt was. Das ist er. Für ihn habe es sich so angefühlt, als wüsste sie genau, wohin sie wollte.
Schockmoment und Schweigen nach dem Fund
Der Zeuge erklärte, er habe in der völligen Dunkelheit nichts erkennen können und zunächst gedacht, es handele sich um Rohre. Die Angeklagte habe mit der Handy-Lampe geleuchtet, er selbst habe sich nur kurz hingehockt und dann weggewollt. Beide seien über den Acker zurück zum Auto gelaufen, ohne miteinander zu sprechen.
Im Auto sei Totenstille gewesen. Weder die Polizei noch Fabians Vater wurden an diesem Abend informiert. Richter Holger Schütt bezeichnete dieses Verhalten als schwer nachvollziehbar. Der Zeuge räumte ein, dies sei ein Fehler gewesen und gab an, den Kontakt zur Angeklagten am 15. Oktober abgebrochen zu haben.
Intensive Kommunikation zwischen Zeugin und Angeklagter
Breiten Raum nahm die Befragung zur Beziehung zwischen dem Zeugen und der Angeklagten ein. Beide kennen sich seit Jahren, standen jedoch erst ab September 2025 intensiver in Kontakt. Innerhalb von vier Wochen tauschten sie laut Gericht 1.431 WhatsApp‑Nachrichten aus und trafen sich heimlich. Die Ehefrau des Zeugen wusste davon nichts.
Er habe nur ein freundschaftliches Verhältnis gewollt, was von Verteidigung und Nebenklage angezweifelt wurde. Verteidiger Thomas Löcker deutete zudem an, dass die Angeklagte ihr Schweigen möglicherweise brechen werde.
Konflikte um die Beziehung zu Fabians Vater
Der Zeuge berichtete, die Angeklagte habe versucht, einen Keil zwischen Fabian und dessen Vater zu treiben. Das Verhältnis war zu diesem Zeitpunkt beendet, weil der Vater den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte. Laut Anklage starb Fabian am 10. Oktober. Vier Tage lang wurde intensiv nach ihm gesucht. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, den Jungen mit sechs Messerstichen getötet und anschließend angezündet zu haben. Die Angeklagte schweigt weiterhin zu den Vorwürfen.
Widersprüchliche Angaben zum Fundtag
Am 14. Oktober meldete die Angeklagte der Polizei, sie habe den Leichnam zufällig beim Spaziergang mit dem Hund entdeckt. Diese Darstellung widerspricht der Aussage des Zeugen, der sie bereits am Vorabend am Fundort gesehen haben will. Für die Angeklagte gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Großes öffentliches Interesse am Prozess
Am elften Verhandlungstag war der große Saal 2.002 bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 130 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Verhandlung, die Sicherheitskontrollen waren entsprechend streng. Die Mutter des Jungen nimmt als Nebenklägerin persönlich am Prozess teil und verließ den Saal kurz, als Fotos vom Fundort angekündigt wurden.
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll ein weiterer Zeuge aussagen, der ebenfalls mit der Angeklagten am Fundort gewesen sein soll.