Ein seltenes Naturschauspiel hat am Mittwochabend die Menschen in Wismar und Nordwestmecklenburg in den Bann gezogen. Unter einem wolkenlosen Himmel schob sich der Neumond vor die Sonne und sorgte für eine der eindrucksvollsten partiellen Sonnenfinsternisse der vergangenen Jahrzehnte. Ein stabiles Hochdruckgebiet garantierte optimale Sichtbedingungen an der Ostseeküste, sodass Astronomie-Fans und Schaulustige das Ereignis ungestört verfolgen konnten.
Der Verlauf der Finsternis
Der kosmische Vorgang begann um 19.11 Uhr, als der Mond erstmals den oberen rechten Rand der Sonne berührte. Zu diesem Zeitpunkt stand die Sonne bereits tief am west-nordwestlichen Horizont, was dem Schauspiel eine besonders dramatische Kulisse verlieh. In den folgenden sechzig Minuten schob sich der Mond immer weiter vor die Sonnenscheibe. Um 20.06 Uhr war der Höhepunkt erreicht: Rund 85 Prozent der Sonne waren verdeckt, nur eine hauchdünne, leuchtende Sichel blieb sichtbar. Das Licht über der Wismarer Bucht nahm in dieser Phase eine silbrig-matte Färbung an, und die Temperaturen sanken spürbar.
Beliebte Beobachtungsorte
Wegen des tiefen Sonnenstandes suchten viele Menschen Plätze mit freiem Blick nach Westen auf. Besonders die Seebrücke in Bad Wendorf entwickelte sich zu einem zentralen Treffpunkt. Hunderte Beobachter verfolgten das Geschehen über dem spiegelglatten Wasser der Bucht. Auch die Westküste der Insel Poel bot ideale Bedingungen, da dort keine Gebäude oder Bäume den Horizont verdeckten. Wer keine zertifizierte Schutzbrille mehr erhalten hatte, nutzte improvisierte Methoden wie die Lochkamera oder verfolgte die Finsternis in etlichen Livestreams.
Finale im Sonnenuntergang
Das Naturschauspiel endete gegen 20.50 Uhr in einer eindrucksvollen Symbiose mit der Natur, als die noch teilweise verdeckte Sonne glutrot im Meer versank. Für viele Astronomie-Begeisterte war dies jedoch nur der Auftakt zu einem ereignisreichen Spätsommer. Bereits am 28. August steht mit einer partiellen Mondfinsternis das nächste Himmelsereignis über Mecklenburg-Vorpommern bevor.