Trotz des enormen Medieninteresses hat der Wal-Trubel bislang kaum Auswirkungen auf die Buchungslage der Unterkünfte. Das sagte Silvio Kremer, Büroleiter des Poeler Tourismusservice. Langfristig hoffe man jedoch auf mehr Bekanntheit und positive Effekte für die Insel.
Gereizte Stimmung: Kritik und Zuspruch im Gästebuch der Kirche
Im Gästebuch der Kirche in Kirchdorf finden sich inzwischen zahlreiche Einträge zum Wal. Einige werfen der Gemeinde vor, den Wal leiden zu lassen, andere hinterlassen Segenswünsche und Hoffnungen für „Timmy“. Auch Gebete für den Wal wurden eingetragen. Diese Spannbreite spiegelt die emotional aufgeladene Stimmung auf der Insel wider.
Am frühen Nachmittag erreichte ein weiteres internationales Rettungsteam den Hafen. Begrüßt wurden sie von Walschützer Sergio Bambarén, der sich erfreut über die Unterstützung zeigte. Die Initiative arbeitet weiterhin an neuen Rettungsansätzen.
Bewohner sprechen von „Theater“ – Belastung wächst
Viele Poelerinnen und Poeler reagierent. Der 82‑jährige Jürgen Westphal bezeichnete den Rummel als „Theater“. Auch andere Einheimische berichten von respektlosem Verhalten, etwa durch Besucher, die über frisch bestellte Felder laufen, und von Drohungen im Umfeld der Kirche. Die Stimmung sei angespannt, viele seien ratlos.
Gastronominnen und Gastronomen berichten von Umsatzeinbußen zwischen 50 und 60 Prozent. Gäste blieben weg, Reservierungen würden storniert. Der Medienandrang kompensiere das nicht – Journalistinnen und Journalisten konsumierten kaum. Auch Sperrungen und Demonstrationen hätten Besucher abgeschreckt. „So etwas gab es hier noch nie“, sagte eine Betreiberin.
Expertinnen warnen: Zu viel Trubel schadet dem Wal
Die Meeresforscherin Karen Stockin warnt, dass der anhaltende Trubel Timmy zusätzlich stresst und seinen Zustand verschlechtern kann. Echte Fürsorge bedeute manchmal, nicht einzugreifen. Große Meeressäuger lösten starke Emotionen aus, weshalb Untätigkeit oft fälschlich als mangelnde Hilfe wahrgenommen werde.
Auch Wal-Expertin Frances Gulland betonte, dass sich Wale kaum gezielt steuern lassen. Frühere Rettungsversuche hätten gezeigt, dass Tiere erst dann zurück ins Meer fanden, wenn menschliche Eingriffe eingestellt wurden.
Theologische Einordnung: Was die Rettung über uns sagt
Der Theologe Mathias Wirth sieht im großen Interesse an Timmy ein Zeichen menschlicher Überforderung. Spektakuläre Einzelfälle seien leichter zu bewältigen als alltägliches Tierleid. Zugleich zeige der Fall, dass Tiere zunehmend als Mitgeschöpfe wahrgenommen werden. Entscheidungen über Eingriffe müssten jedoch Fachleute situativ treffen.
Meeresbiologe Fabian Ritter erklärte, das im Maul verbliebene Netz sei ursächlich für Timmys schlechten Zustand. Er plädiert dafür, den Wal veterinärmedizinisch zu betreuen und ansonsten der Natur ihren Lauf zu lassen.
Helfer weiter im Einsatz
Am Mittag kehrten Helfer erneut zu Timmy zurück, um ihn mit Wasser zu kühlen und frische Tücher aufzulegen. Trotz der angespannten Lage bleibt das Team vor Ort aktiv.