Am dritten Verhandlungstag im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian standen die Aussagen des Vaters, Matthias R., sowie umfangreiche Chat‑ und Sprachnachrichten der Angeklagten Gina H. im Mittelpunkt. Die Auswertung zeichnete das Bild einer hochgradig belasteten Beziehung, geprägt von Eifersucht, Abhängigkeiten und Ablehnung gegenüber dem familiären Umfeld.
Tatzeit weiter eingegrenzt
Die Ermittler gehen davon aus, dass Fabian am 10. Oktober 2025 zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr getötet wurde.
Matthias R. schilderte seinen Tagesablauf: Arbeit, ein Werkstattbesuch und ein Treffen mit einem Förster gegen 11 Uhr. Hinweise auf seine Anwesenheit am Tatort ergaben sich nicht.
Auffällig war eine Nachricht der Angeklagten vom Nachmittag des Tattages: Um 16.47 Uhr schrieb sie, sie müsse ihr Auto „sauber machen“. Da Fabian nach bisherigen Erkenntnissen mit ihrem Pick‑up aus der Wohnung gelockt worden sein soll, misst die Staatsanwaltschaft dieser Aussage besondere Bedeutung zu.
Sprachnachrichten offenbaren massiven Groll
Die verlesenen Sprachnachrichten aus dem Oktober 2025 rückten mögliche Motive in den Fokus. Immer wieder äußerte Gina H. Abneigung gegenüber Fabians Mutter und dem Jungen selbst.
Sie sprach von einem Leben „zu zweit auf einem Hof“, „ohne diese scheiß Anhängsel“, und bezeichnete die Zeit, in der Fabian keinen Kontakt zum Vater wollte, als „wesentlich entspannter“. In weiteren Nachrichten forderte sie einen radikalen Neuanfang: Beide sollten ihre Kinder „abgeben“. In einer Nachricht schrieb sie: „Ich hasse deine Familie.“
Widersprüche bei finanzieller Unterstützung
Matthias R. korrigierte im Gericht frühere Angaben zur finanziellen Unterstützung der Angeklagten. Während er gegenüber der Polizei von rund 500 Euro monatlich sowie der Übernahme von Miete und Pferdekosten gesprochen hatte, sprach er nun nur noch von 100 bis 300 Euro. Der Vorsitzende Richter reagierte irritiert und wies auf die erheblichen Widersprüche hin.
Zur Sprache kamen auch biografische Aspekte von Gina H.: eine drogenabhängige Mutter, Gewalterfahrungen in einer früheren Beziehung und ein abgebrochener Vergewaltigungsversuch. Die Verteidigung verweist auf diese Hintergründe, um die psychische Verfassung der Angeklagten einzuordnen.
Emotionen und Irritationen im Gerichtssaal
Die Angeklagte verhüllte ihr Gesicht häufig hinter einer Mappe. Als es um den Tod eines ihrer Pferde ging, weinte sie; bei Nachrichten über Fabian blieb sie weitgehend regungslos.
Fabians Mutter Dorina L. verfolgte die Aussagen ihres Ex‑Partners mit versteinertem Blick. In einem Interview hatte sie dessen Verhalten am Vortag — er soll mit der Angeklagten geflirtet haben — als „beschämend“ bezeichnet.
Matthias R. selbst wirkte streckenweise ausweichend. Auf die Frage, warum er sich an ein entscheidendes Gespräch kurz vor Fabians Verschwinden nicht erinnern könne, antwortete er, er habe nur den Sex mit Gina H. „abgespeichert“. Der Prozess wird noch fortgesetzt…